«Drogenhändlerring» in der Zukunft (?)
(Offener Brief vom Veranstalter) Unser Betrieb Club Zukunft wurde in der vergangenen Freitagnacht von einem Grossaufgebot der Polizei gestürmt, wobei sämtliche ca. 300 Gäste, das gesamte Personal und alle Räumlichkeiten minutiös kontrolliert wurden. Die Aktion lief im grossen und ganzen friedlich ab, die meisten Gäste zeigten sich kooperativ, auch wenn sie verständlicherweise enttäuscht und brüskiert waren, dass eine Veranstaltung, deren Stimmung auf dem Höhepunkt war, jäh durch schätzungsweise 60 Beamte abgebrochen wurde.
Polizeikontrollen in Stadtzürcher Gastrobetrieben gehören zur Normalität, es ist die Aufgabe der Behörden herauszufinden, ob in einem Lokal alles innerhalb des gesetzlichen Rahmens abläuft. Wir als Betreiber akzeptieren deshalb, dass auch bei uns Kontrollen durchgeführt werden, welche normalerweise und regelmässig in Form von verdeckten Ermittlungen stattfinden. Im vorliegenden Fall lag gemäss Aussagen der Polizei ein Anfangsverdacht betreffend Drogenhandel vor, welcher einen Einsatz in einem Ausmass notwendig machte, wie es in einem Zürcher Club noch selten der Fall war. Das Resultat der Kontrolle zeigt aber selbst in den Augen der Polizei deutlich, dass bei uns kein Drogenhandel stattfindet. Es wurden 26 Portionen Kokain (wahrscheinlich ca. 5 Gramm), 10 Ecstasy Tabletten sowie geringe Mengen Marihuana gefunden. Unter Berücksichtigung der Anzahl Gäste hat sich der Anfangsverdacht somit nicht bestätigt.
Die darauffolgende Berichterstattung in den Medien zeichnete dennoch ein düsteres Bild von unserem Betrieb. In einem bereits zwei Stunden nach Beendigung der Aktion veröffentlichten Communiqué informierte die Polizei über ihren Einsatz, aufgrund der dürftig ausgefallenen Ausbeute wurde der Fokus auf zwei beschlagnahmte Schlagstöcke (die von einem Mitarbeiter der von uns beauftragten Sicherheitsfirma ohne Tragbewilligung getragen wurden) sowie ein Spickmesser und eine Handvoll verhafteter Gäste gerichtet, die sich entweder unkooperativ verhielten, offene Bussen nicht beglichen hatten oder gemäss Einschätzung der Polizei ihre Party mit dem einen oder anderen alkoholischen Getränk zu viel feierten. Der lokale Fernsehsender wurde umgehend mit dem Filmmaterial versorgt, welches der Filmdienst der StaPo während der Aktion geschossen hatte. In der Bildsprache eines grossen Schlages gegen einen Drogenhändlerring wurde die Beute präsentiert. Auf die klare Erkenntnis, dass in unserem Lokal Drogen weder gehandelt noch in einem Mass, welches nicht mit so gut wie jedem anderen Club der Stadt verglichen werden könnte, konsumiert werden, wurde im Communiqué verzichtet. Die Aussage «Die Räumlichkeiten der Clubbetreiber waren sauber. Das zeigt, dass sie nichts mit Drogenhandel zu tun haben.» fand man erst zwei Tage später nach mehrmaligem Nachhaken in einem Interview mit dem Pressesprecher der Stadtpolizei.
Es ist in keinster Weise unsere Absicht, Drogenmissbrauch oder Waffenbesitz zu verharmlosen. Die sichergestellten Gegenstände sind illegal und jede Portion illegaler Drogen und jeder bewaffnete Gast ist einer zuviel. Wir führen permanent und unter Einsatz von sehr hohen Personalkosten die in unseren Möglichkeiten stehenden Kontrollen durch. Mit den Kontrollen soll verhindert werden, dass bei uns illegale Drogen konsumiert werden oder dass gewaltbereite Gäste oder solche mit gefährlichen Gegenständen unser Lokal betreten. Trotzdem unterliegen diese Kontrollen gewissen Grenzen, da eine minutiöse Kontrolle ein ähnliches Personalaufgebot wie Freitagnacht gesehen bedingen würde. Wir halten fest, dass in unserem Club in den über sechs Jahren noch nie ein Gewaltakt in Zusammenhang mit einer Waffe stattgefunden hat.
Der Club Zukunft ist umgeben von Problemliegenschaften: wir beobachten Menschenhandel, andere Lokale ziehen ein Klientel an, das wir nicht zu unserem zählen wollen und die Lärmemissionen und der Dreck gehen oft über ein für Anwohner verträgliches Mass hinaus. Wir versuchen mit grossem Aufwand ein kulturell hochstehendes Angebot zu kreieren. Unser äusserst positives Image weit über die Landesgrenzen hinaus bestätigt dies. Wir werden von der Stadt Zürich finanziell unterstützt und Zürich Tourismus erwähnt mit Vorliebe unseren Club wenn es darum geht, unsere Stadt im Ausland für ihr aktives und hochstehendes Nachleben bekannt zu machen. Dass es daneben Leute gibt, welche unter der nächtlichen Belastung im Langstrassengebiet leiden, ist verständlich. Der Club Zukunft verkörpert jedoch gleichzeitig genau das, was die Stadt Zürich an der Langstrasse will: weg vom Milieu, hin zu Betrieben, welche das Quartier aufwerten. Dass dies nicht ausschliesslich positive Begleiterscheinungen hat, ist klar. Wir versuchen die Unannehmlichkeiten für die Anwohner mit unserer ständigen Arbeit auf einem Minimum zu halten und erwarten da auch Unterstützung von der Stadt Zürich.
Zum Schluss noch ein Aufruf an alle Gäste, welche während der Polizeiaktion in der Nacht vom 16.12.11 bei uns waren: es tut uns Leid, was ihr über Euch ergehen lassen musstet! Wir bemühen uns, die Optimo-DJs aus Glasgow sobald wie möglich nochmals zu buchen. Um wieder gut zu machen, was wir nicht mal zu verantworten haben, laden wir Euch ein, die Zukunft an diesem Datum umsonst zu besuchen. Bitte teilt uns bis Freitag 23.12.11 auf info@zukunft.cl Eure Namen mit!
Herzliche Grüsse
Club Zukunft/BAR3000
Jetzt GmbH
Dienerstrasse 33
8004 Zürich










