ZPK
VOLVO
Home » Kino national

Tag am Meer

11. Juni 2009 242 views

tagammeerDominique Jann, Schweizer Filmpreis 2009 für «Luftbusiness», spielt in diesem Film einen bald 30-jährigen, mehr oder weniger erfolgreichen Junggesellen. Er ist Mitbesitzer eines Plattenladens, legt als DJ auf und alles wäre eigentlich ganz in Ordnung. Doch für Dave reicht es nicht. Jeder Tag wiederholt sich, alles dreht sich im Kreis. Der Kick fehlt und vor allem der Sinn.

Er trifft wieder auf seine Ex-Freundin und sie gehen wieder gemeinsame Wege. Das wäre an sich eine gute Sache – doch für Dave geht alles sehr schnell. Kurz zuvor noch getrennt, jetzt bereits die Wohnungsschlüssel ausgetauscht – für ihn fehlt da was. Vor allem lebt Dave zusammen mit Matthias in einer Männer-WG und diese gilt auch als Zentrum der illusorischen Freiheit. Jünger werden die Herren nicht. Jünger werden nur die Frauen um sie herum.

Eines Tages durchquert die reisende Französin Alice die Welt der ProtagonistInnen. Sie ist ein Lebemensch – ohne Verpflichtung und Verantwortung und verkörpert damit genau das Gegenteil von dem, was Dave und seine KollegInnen sind oder akzeptieren müssten. Aber es riecht nach Freiheit, nach der grossen weiten und neuen Welt. Doch nicht alles lässt sich unter einem Hut verbinden. Die Geschichte stolpert.

«Für gewisse Dinge ist man nie bereit, die muss man einfach machen.»

Von der Filmtechnik her ist der Film im Schnitt und Bild nicht grad überragend. Die Dialoge kommen ziemlich langsam und etwas platt herüber – allerdings ungefähr so, wie wir das vom Schweizer Film gewohnt sind. Es könnte also etwas zügiger oder flüssiger sein. Doch die Geschichte, durch die Nähe der Spielorte, durch die auch uns vertrauten Probleme, durch die Erlebnisse, wie wir sie alle selber auch kennen, dreht sich tief unter die Haut ein. Es wird ein Bild dieser ewig diskutierten Projekt-Generation gezeichnet, was diese wirklich fühlt oder empfindet, wo diese Menschen stehen. Es wurde viel über diese Generation geschrieben und diskutiert, doch fühlen konnte man sie nicht. Der Film «Tag am Meer» beschreibt diese Stimmung nachvollziehbar. Wenn man sich von den zum Teil sehr langsamen Passagen lösen kann, dann rutscht der Film von Minute zu Minute tiefer in uns ein.

Sehr schön beschreibt Moritz Gerber, der Regisseur, auch die Stadt Zürich und das Leben darin. Er meint allerdings: «Herausgekommen ist, so glaube ich, ein sehr unverkrampfter, lebensnaher Film, ein wenig nachdenklich, aber auch heiter und zuversichtlich. Denn Dave und ich, und wir alle, wir sind nicht zuletzt auch eine glückliche Generation…» Wer den Film gesehen hat, stellt sich neue Fragen über das Glück, über Heiterkeit und Zuversichtlichkeit. Der Preis, den diese Generation zu bezahlen hat ist hoch und es ist fraglich, ob das noch was mit Freiheit und Glück zu tun hat.

«Manchmal denke ich, ich habe alle meine alten Träume erfüllt und mir keine neuen ausgedacht.»

Der Film läuft ab dem 2. Juli und wird für jede Generation wärmstens empfohlen!

Schweiz 2009, 98 Min., Schweizerdeutsch gesprochen
www.tagammeer.ch

Keine Kommentare mehr möglich.

Kunstmuseum Bern