Good Jamal Wallace ("Forrester – Gefunden!")

Manche Filme machen es einem wirklich schwer. Vor allem, wenn man bestimmte Erwartungen an sie knüpft. Vor allem, wenn scheinbar jeder andere diesen bestimmten Film gut fand und sogar wichtige Weisheiten für’s eigene Leben aus ihm mitgenommen hat. Man selber steht dann da und denkt sich: «Ist was falsch mit mir? Habe ich den Film schlichtweg nicht verstenden? Sollte ich jetzt einfach mit dem Strom schwimmen und ihn gut finden, weil’s alle anderen tun?
In genau dieser Klemme habe ich mich auch befunden bzw. befinde mich immer noch in ihr. Ich werde einfach mal loslegen und aus dem Bauch raus schreiben, wie es ja auch der Film rät. Also denn mal los.
Es geht um Gus van Zants Film «Forrester – Gefunden!» oder auch «Finding Forrester», wie er im Englischen weitaus treffender heißt. Es geht darin um Jamal (Rob Brown), einen 16jährigen Schüler aus der Bronx, der ein großes Talent für die Schriftstellerei besitzt. Da er durch überschnittlich gute Testergebnisse positiv auffällt und zudem noch ein ausnehmend guter Basketballspieler ist, interessiert sich bald eine noble Privatschule für ihn, die Jamal ein Stipendium anbietet. Gleichzeitig macht er aufgrund einer Mutprobe eine bedeutsame Entdeckung: Er schleicht sich in die Wohnung des alten Mannes, den alle nur das «Fenster» nennen – denn er verlässt nie seine Wohnung und beobachtet das Leben nur durch sein Wohnzimmerfenster. Als Jamal tags darauf zurückkehrt, weil er bei der überstürzten Flucht seinen Rucksack in der Wohnung vergessen hat stellt er fest, dass der alte Mann all seine Aufzeichnungen und Geschichten korrigiert hat, und das ziemlich fachmännisch. Jamals Neugier ist geweckt, und er trifft sich immer öfter mit dem alten Mann (Sean Connery), der ihm bald allerhand über das Leben und das Schreiben beibringt. Durch seine Mitschülerin Claire (Anna Paquin) findet Jamal heraus, dass es sich bei seinem neuen Freund um das seit Jahren verschollene Schriftstellergenie William Forrester handelt…
So weit, so gut…hört sich nach einem interessanten Film an und ist es im Grunde auch. Es gibt nichts, was man wirklich bemängeln könnte. Die Schauspieler sind fantastisch, vom über alles erhabenen Sean Connery über den tollen Newcomer Rob Brown und die wie immer reizende Anna Paquin bis hin zu Rapper Busta Rhymes, der sich keinen besseren Film für sein Schauspieldebüt hätte aussuchen können und dem genialen F.Murray Abraham, der sich mit diesem Film endlich wieder einmal einen Auftritt in einem Qualitätsfilm gönnt, nachdem er in den frühen 90ern komplett in der Versenkung verschwunden ist. Hier liefert er sich als fieser Literaturprofessor mit Connery ein Duell, das dem in «Der Name der Rose» zumindest ebenbürtig ist.
Die ganze Umsetzung der Schüler/Lehrer-Story (läßt sich Sean Connery diese Mentoren-Rollen eigentlich schon in seine Verträge schreiben?) ist wie gesagt ebenfalls gut gelungen; der Film hat keine nennenswerten Längen, aber trotzdem…der Funke springt einfach nicht über. Irgendwie läßt einen die Geschichte seltsam kalt und man gewinnt den Eindruck, dass Gus van Sant, immerhin einer der größten Independent-Filmemacher der jüngeren Zeit, einfach seinen Oscar-Hit «Good Will Hunting» neu interpretiert hat. Nicht umsonst hat auch sein damaliger Hauptdarsteller Matt Damon wohl einen Cameo-Auftritt in «Finding Forrester».
So, dies ist nun die erste Fassung meiner Rezension und wird wohl auch die Letzte bleiben, da ich nicht glaube, dass sich der Eindruck von Mittelmäßigkeit noch wesentlich nach oben korrigieren lassen wird. In diesem Sinne: Prädikat ausreichend, aber bei weitem nicht so berauschend wie erwartet. Setzen, 4.
Auf meiner offiziellen Lieblingsfilm-Liste erhält der Film 4 von 10 Punkten.
Bare Facts:
Originaltitel: «Finding Forrester», USA 2000
Regie: Gus van Sant
Buch: Mike Rich
Darsteller: Rob Brown, Sean Connery, Anna Paquin, F.Murray Abraham
Lauflänge: 136 Minuten
Altersfreigabe: freigegeben ohne Altersbegrenzung










