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Liebeskrank im Staatsarchiv

29. August 2009 48 views

Die 9. Luzerner Museumsnacht erkor das Staatsarchiv zum diesjährigen Gastaussteller. Seit 600 Jahren sammelt und konserviert das Staatsarchiv Bilder, Daten und Briefe. Zur Museumsnacht wurden alte Fotos von Orte an denen man sich verliebte und Briefe von Hoffnungslosen und Hoffnungsvollen hervorgekramt. Dazu gab es eine Liebes-Bar, einen DJ, Schatzkästchen-Führungen und eine sehr amüsante Lesung von Anna Mäder,  Samuel Zumbühl und Blockflötist Pius Strassmann.

«LiebesLust im Archiv» nannte das Geburtstagskind Staatsarchiv seine Nacht der offenen Türen. Und das mit der Liebe ist ja so eine Sache. Für gebrochene Herzen gab es aber Hoffnung und die fand sich -wie so oft- an der Bar. Die Hoffnung dümpelte aber auch hin und wieder über die Boxen in die Seele oder über die Projektionen an der Wand, die glückliche Luzerner Päärchen beim Küssen zeigte. Die Hoffnung schien zu verschwinden, als die Lesung «Sehnsucht Liebe» die schönsten Liebesbriefe präsentierte, aber sich die beiden Leser am Ende hoffnungslos verschritten.

Die Bar
Im Getränkeangebot der LiebesLust Bar im Staatsarchiv fanden sich Drinks für alle Liebesformen. Da gab es den Green-Hope Drink für die, welche noch auf die grosse Liebe warteten und hoffen. Er war durch und durch grün und am Rande des Bechers fand sich eine Kiwi, welche ein Herzen formte (er schmeckte vorzüglich) . Der Redheart hingegen eher was für die Glücklichen, ein roter Drink mit Erdbeeren. Für eine Abkühlung nach einer heissen Liebesnacht gab es Bier, für den ersten scheuen Kuss auf dem Spielplatz gab es Mineral und für die ganz Hoffnungslosen gab es die üblichen Drinks. Ein Konzept, bei dem sich viele vielleicht kurz reflektiert haben und sich einen kurzen Moment entscheiden mussten; ob hoffnungslos aber wartend? Oder ganz hoffnungslos? Die Bar wurde -es liegt nahe- mit viel Liebe geführt.

Der DJ

In der Eingangshalle fand sich neben der Bar links auch recht das DJ Pult von Sam Pirelli und nebenan ein Vorhang. Da konnte man sich, wenn man wollte, auch zurückziehen. Ober dem erblondeten DJ lief eine schwarz/weiss Projektion, die Küssende und Lachende Paare zeigte. Die Musik dazu ergab einen Überdruss an Kitsch und ein schmelzendes Herz bei jedem Betrachter. Sam Pirelli unterhaltete mit seinen Liebeshits von französischen Schnulzen bishin zu deutschen Spermalieder die glücklichen und die gebrochen Herzen gleich.

Die Lesung

Anna Mäder und Samuel Zumbühl lasen ausgesuchte Liebesbriefe aus dem Luzerner Archiv vor. Vobei vorlesen hier zuviel gesagt wär. Zum Lesen kamen sie nämlich meist nicht, weil sich der bekannte Mann/Frau Konflikt stellte. Er weiss alles besser. Sie weiss alles noch besser. Als erstes wurde Zumbühl erstmal rausgeschickt zum üben. Die Glaswände liessen druchblicken, wie er enthusiastisch sich ans Werk machte. Wieder im Saal, konnte das Vorlesen des ersten Briefes beginnen. Er kam aus dem Jahr 1810 und war sehr romantisch. Begleitet wurde die Lesung von Pius Strassmann, ein Luzerner Blockflötist-Virtuose. Sein spiel war durchaus ironisch und wurde schlichweg immer wieder als «schön» bezeichnet. Nach der Musikeinlage konnte es weitergehen, obwohl weitergehen hier zuviel gesagt wäre. Mäder und Zumbühl korrigierten und stritten sich die ganze Zeit unglaublich mühsam aber sehr lustig. Man wartete auf jeden neuen Brief gespannt und wollte aufspringen und die beiden zur Vernunft bringen. Der zweite Brief kam dann aber doch noch, er stammte aus dem Jahre 1815 und hiess «Liebesbrief eines Landjägers an ein Gaunermädchen». Wie unglaublich schön und übertrieben schon nur der Titel des Briefes klingt. Das Vorlesen dieses Briefes war gewollt tollpatschig. Maria Achermann schrieb in der Antwort auf diesen Brief folgendes: «wirklich tut mir es weh, wie ich sehen muss, wie kaltblütig und trocken sie zu mir sind». Das leichte Lachen von Seiten Zumbühl aus wurde sofort im Keim erstickt, als Mäder am Schluss mit erklärte: «das esch ned loschtig, sie esch gschlage worde!», ja so war das damals. Es folgte ein weiterer Brief und weitere Dispute und weitere Flötenspiele. 1831 schrieb eine Frau an Josef Schüpfheim einen Brief. Darin standen ganz klare Bedingungen, die er zu erfüllen hatte, sonst würde sie ihn nicht heiraten, ja so war das damals. Es sollten wahrscheinlich noch weitere Briefe folgen, aber die beiden Vorleser fingen sich so heftig in die Haare, dass sie den Saal fluchend und streitend verliessen und das Publikum ihnen noch bis in den nächsten Stock dabei zuschauen konnte. Dieses Spiel hat den Nerv genau getroffen, ist doch Liebe nie ohne eine leichte Portion Hass möglich und streite tun sich Paare ja seit eher sowieso etwa gleich.

Die Bilder

«Orte des Verliebens» heiss die Bildausstellung, die wunderbare alte Fotos von ganz Luzern zeigt. Orte, die sogar mir noch als «Orte des Verliebens» bekannt sind. So zeigt die Ausstellung zum Beispiel Jugendliche an der «dMääs» oder der Quai, an denen glückliche Paare den sonntäglichen Spaziergang unternehmen und an denen sicherlich schon die eine oder andere Liebe gefunden wurde.

Die neunte Ausgabe der Luzerner Museumsnacht ging um 1 Uhr in der ganzen Stadt zuenede. Im Archiv blieb wohl noch ein klein wenig Liebeszauber in der Luft. Für alle Hoffnungslosen hier ein kleiner Trost. Das Herz besteht aus zwei Kammern (oben ersichtlich) und ist somit sowieso das Leben lang gebrochen. Dagegen helfen können grüne Drinks oder romantische Zitate wie jenes hier, welches aus einem vorgelesen Brief stammt: «Jesus hat schon recht wenn er sagt, wo ihr Schatz ist, ist auch ihr Herz.»

Die Originalherkunft ist auf der Webseite des Luzerner Kulturmagazins www.kulturmagazin.ch oder eben dessen Blog: www.kulturteil.ch zu finden.

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