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The Beat Goes On & On & On

24. Oktober 2009 94 views

Eben las er noch in New York an den Feierlichkeiten zu 50 Jahren Naked Lunch, dem Magnum opus des Beat- und Cut-Up-Literaten William S. Burroughs, schon ist er hier, zusammen mit dem Bukowski-Übersetzer und Autor Carl Weissner, sowie dem Schweizer Lyriker und Herausgeber zahlreicher Beat-Schriften, Florian Vetsch. Der von Barfoodpoetry angerichtete Donnerstagabend im LaFourmi war ein Erlebnis der Extraklasse.

«Pam! & dem Drecksack die Birne mit der Pumpgun weggeblasen…» Der Auftritt von Florian Vetsch beginnt wie ein Tarantino-Streifen. Hart und unmittelbar. Mit einem Gedicht, das den Namen «Jackie Brown» trägt und die Adressatin auffordert, mal im Parlament, beim Steueramt & den Medienkonzernen aufzuräumen. Eine fabelhafte Idee!

Anschliessend serviert Vetsch weitere Leckerbissen aus seinem neusten Werk «dreiundvierzig neue Gedichte», das im Frühjahr beim österreichischen Songdog Verlag erschienen ist. Seine Gedichte sind moderne Haikus. Versatzstücke, Sequenzen, die uns mit unmittelbarer Gegenwart konfronteren, die Brüchigkeit der Realität vorführen. Da er nicht «bloss» Dichter ist, sondern auch ein äusserst umtriebiger Herausgeber – unter anderem «Ploog Tanker. Texte von und zu Jürgen Ploog» und «Tangier Telegramm. Reise durch die Literaturen einer legendären marokkanischen Stadt» - folgten einige Texte, Anekdoten und Erinnerungen an Protagonisten der Beat-Generation.

Carl Weissner braucht man nicht mehr vorzustellen. Zusammen mit Jürgen Ploog und Jörg Fauser gab er in den 70-&80ern des letzen Jahrhunderts die Zeitschriften «Gasolin 23» und «Ufo» heraus, machte sich ein Namen als literarischer Übersetzer, vor allem mit seinen Texten über Charles Bukowski, mit dem ihn eine Freundschaft verband. Weissner las zusammen mit der Schauspielerin Anna Böger hörspielreif aus eigenen Texten und Burroughs` Traumtagebuch «My Education». Dabei präsentierte die beiden eine Live-Montage, indem sie die Seiten nicht nacheinander, sondern nebeneinander lasen. Ein weiteres Experiment aus Weissners Hexenküche waren Texte, die er sich eine Zeit lang täglich aus einem MC-Donalds Restaurant in New York schickte. Wenn man einen Burger ass, erhielt man dort einen Code, mit dem man eine halbe Stunde ins Internet konnte. So entstand unter Zeitdruck aus beliebigen Stimmungen heraus eine eindrückliche Reihe kurzer Texte. Weissners neuster Roman «Death in Paris» wurde auf RealityStudio.org veröffentlicht.

Nun zum unbekanntesten der Bekannten, zum Verkannten, dem Piloten und Paria, zum kompromisslosen Herr der Schnitte, zur grauen Eminenz des deutschen Undergrounds – über diese Bezeichnung wird er sich heute hoffenlich auch amüsieren können – zu Jürgen Ploog.

Als Brion Gysin 1959, die Cut-up-Methode wiederentdeckte – Gysin sass mit  Burroughs und Harold Norse in einem Pariser Hotel und fiel vor Lachen fast unter den Tisch, als er zwei Zeitungsfetzen auseinandergeschnitten und so arrangiert hatte, dass General Eisenhower plötzlich an der mexikanischen Grenze auftauchte, wo er wegen Prostituiertenmordes festgenommen wurde – begann Ploog soeben als junger Pilot bei der Lufthansa. Er schrieb, doch hatte bis dahin aufgrund des ständigen Kreuz und Quer über den Planeten Jettens noch zu keiner adäquaten Methode an einem Text länger dran zu bleiben gefunden. Bis Cut-Up kam.

Heute Berlin, morgen Saigon, übermorgen Südafrika. Die konstanten Ortswechsel, das verschobene Zeitkontinuum, die Desorientierung und die ständigen Déjà-vus im Leben eines Piloten findet man auch im Cut-Up wieder. Cut-Up ist eine Lebensweise. Reisen ist wichtig, leben nicht. In Cut-Up Texten, die sich nicht an einem Zeit, sondern an einem Raumkontinuum, werden Beschreibungen, wie eine Person von hier nach da gelangt, als reine Papierverschwendung angesehen. Der Pilot und der Schreiber ergänzten sich in Ploogs Leben perfekt, flossen ineinander.

Im LaFourmi las er einen eigens für diese Lesung montierten Text, in dem er die Cut-Up-Methode zu einem Höhepunkt gebracht hatte. Die Sperrigkeit der ersten avantgardistischen Collagen hat er abgelegt und ist doch keine Kompromisse eingegangen. Die Figuren und Ereignisse breiteten sich im Raum aus, die einen trafen aufeinander, die anderen funktionierten nebeneinander, schlussendlich verdichtete sich alles in einem heftigen Knall. DAS ist Literatur, meine Damen und Herren!

Auch Jürgen Ploog hat ein neues Buch beim Engstler Verlag veröffentlicht: «Simulatives Schreiben». Eine Rezension gibt`s hier.

Der Nächste Event von Barfoodpoetry findet am 26.11. im LaFourmi statt, mit den Bergpoeten Matto Kämpf (Oberland), Achim Parterre (Oberemmental) und Rolf Hermann (Oberwallis).

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Der Originaltext ist auf dem Blog www.kulturteil.ch erschienen. Es handelt sich demnach nicht um einen Originaltext der ensuite.ch Redaktion.

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