Ein Kulturmagazin für die Kultur: ensuite

(Der erste publizierte Text 2003) Nachdem letzten Frühling die „Berner Woche“ und das „Nonstopp“ zum „Ansager“ mutierten, ist der Bundesstadt ein grosses Stück Kulturjournalismus abhanden gekommen. Es ist schwierig, das städtisches Kulturgeschehen in einen Topf mit dem halben Mittelland zu werfen. Zudem erhält die Leserschaft kulturell nur noch wenig qualitative und informative Hilfestellung. Woher soll ich wissen, welche Veranstaltung für mich interessant, unterhaltsam oder meinen Wissensdurst stillen kann? Wie kann ich mich in diesem Dschungel von Informationen, ohne selber recherchieren zu müssen, orientieren? Wie soll ein Veranstalter der Öffentlichkeit Hintergrundinformationen zu einzelnen Events zukommen lassen, wenn die Informationskanäle geschlossen sind? Wirtschaftlich gesehen mag diese Fusion effizienter sein, doch ist es keine Lösung, sondern eine finanzielle Verlagerung zum Kulturveranstalter, der mit noch mehr Programmheftchen und Flyers auffahren muss. Ist diese Lösung ökonomisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll? Aber vor allem: WER liest diese Papierstapel überblickend noch durch? Dankbar bin ich deswegen dem „Bewegungsmelder“, der klar positioniert, als Kultursegment-Sprachrohr dem Club- und Trendpublikum eine Kulturagenda bietet.

Das kleine Heftchen birgt noch keine grossen journalistischen Juwelen, doch das muss es auch nicht. Mit ensuite versuchen wir etwas Weiteres, Anderes, Neues zu schaffen. Wir werden zu den bestehenden Medienblättern keine Konkurrenz darstellen. „ensuite“ heisst aus dem Französischen übersetzt „dann“ oder „darauf“. Ich fand den Titel als Magazinname treffend: Das Magazin folgt aus einer julturjournalistischen Situation heraus. Wir möchten wieder Hintergrundinformationen zu ausgewählten kulturellen Anlässen liefern, mehr als eine normale Kulturagenda. Klar, dass wir nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, Vollkommenheit oder journalistische Perfektion haben können, schon gar nicht in der Startphase. Unser Ziel ist, monatlich (10 Gratisausgaben im Jahr sind in Vorbereitung) einem anderen Kulturgeschehen eine Plattform zu bieten. Ansprechen wollen wir all jene, die mit den bestehenden Programmen die gleichen Schwierigkeiten haben wie wir oder einfach an kleinen Veranstaltungen interessiert sind. Die „Happy“-Kultur ist nicht unser Ding. Wir möchten still sein, nicht bunt und laut, Zeit vermitteln, weniger mehr sein lassen. ensuite möchte durch die Informationsreduktion, durch die Fokussierung auf NON-Trends, einen kleinen Teil der Kulturbewegung in Bern festhalten. Ich glaube, wir werden fröhlicher, wenn wir nicht mehr alles wissen, das Wenige aber verstehen. Wenn es sich findet, so sollen andere Kulturstätte im Kanton ihren Teil beitragen. Organisches Wachstum und die Öffnung anderen Partnern gegenüber sind Programm von ensuite.

Die Zeit wird entscheiden, wie wir uns in Zukunft entwickeln. An dieser Stelle sei auch der Dank angebracht an all jene, die an dieses Projekt geglaubt, mich unterstützt haben oder sich aktiv beteiligten. Ob wir erreicht haben, was wir wollten, werden wir erst später erfahren. Natürlich hoffe ich, dass diese Erstausgabe etwas bewegt, andere auch den Mut fassen, an die Öffentlichkeit zu treten und wir unser Kulturgeschehen in Bern bewusster wahrnehmen. In diesem Sinne wünsche ich ensuite viel Spass.

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Eintrag vom Mittwoch, 1. Januar 2003 - Thema Kultur & Gesellschaft - Kommentar schreiben oder trackback von Ihrer Seite erstellen.

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