Auf dem Amazonas
Aus visatechnischen und persoenliche Reiserestzeitmotiven habe ich Kolumbien verlassen. Da ich einen preiswerten Flug von Cali nach Leticia gefunden habe, bin ich in den Amazonas geflogen. In Leticia, das im Dreilaendereck Kolumbien-Peru-Brasilien liegt, wurde ich mit ein paar Mueckenstichen, wie sich’s im Amazonas halt so gehoert, begruesst.
Auf dem Weg in die Stadt, suchend nach einem Bett mit einem Ventilator, habe ich dann so an die zwei Liter Wasser verloren; durch die Kombnation von Hitze und Luftfeuchtigkeit schwitzteich wie ein Schwein.
Leticia war fuer mich eher als Durchfahrtsort geplant, weshalb ich zum Hafen schlenderte, um nach einem Frachtschiff in Richtung Peru Ausschau zu halten. Tatsaechlich hatte ich Glueck, denn am naechsten Abend lief die «Camila», ein alter, rostiger Kahn, der seine besten Tage laengst hinter sich hat, aus. Beim Kapitaen informierte ich mich ueber die wichtigsten Bedingungen: drei Tage und 3 Naechte auf dem Amazonas, Essen dreimal taeglich inklusive, eigene Hangematte mitbringen, Kostenpunkt 18 Franken. Da man dieses Angebot nur schwer ablehnen kann, machte ich mich auf die Socken, um eine Haengematte, genuegend Wasser und ’ne Flasche Rum zu kaufen. Gesagt getan und ich war bereit, meine Amazonasreise anzutreten.
Um sieben Uhr abends hatte ich meine sieben Sachen (und die neue Hanegematte) beisammen. Ich wurde in den dritten Stock der «Camila» verfrachtet, das eigentlich kein Stock, sondern das mit Plastik ueberdachte Deck war. Unter den schlecht zusammengeklempnerten Plastikfoetzeln suchte ich mir eine einigermassen wasserdichte Stelle aus, um meine Hangematte aufzuschlagen. Beobachtet von den rund 100 anderen Fahrgaesten, die allesamt aus Peru, Kolumbien oder Brasilien stammten, knotete ich mein Bett an zwei Eisenrohren an. Die Peruanerin neben mir sagte nur grinsend: «Hallo, ich habe extra fuer dich reserviert.» Spaetestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass diese Reise unvergesslich werden wuerde.
Und tatsaechlich hatte ich alles inklusive. Als einziger Gringo an Bord wurde mit viel Aufmerksamkeit geschenkt und die Kinder konnten kaum aufhoeren, meine Kamera und mein MP3-Player zu begutachten. Die etwa 40-jaehrige Peruanerin, die den Platz neben sich fuer mich «reserviert» hatte, begann mit ziemlich heftigen und plumpen Annaeherungsversuchen, die ich dankend ablehnte. Selbstverstaendlich lud sie mich in ihr Haus in Lima ein und versprach mir zum fuenften Male, ihren Freund zu verlassen um mich zu heiraten. Mit der Zeit wurde das dann doch etwas nervig, weshalb ich mich einem Buch widmete. Da die Fahrt nicht unbedingt ein kulinarischer Hoehenflug war und auch die Portionen nicht in Lastwagenfahrergroesse serviert wurden, war ich denn doch dankbar, als meine Haengemattennachbarin mich mit ihrem Essen durchfuetterte. So musste ich halt einige Klapse auf meinen Hintern ertragen. Und schliesslich hatte ich ja nocgh meine Flasche Rum, die sich als weiser Einkauf herausstellte.
Am zweiten Tag gabs eine Schlaegerei zwischen drei Frauen, die sich um eine Yuca (maniok, wichtiges Grundnahrungsmittel) pruegelten. Und dies ziemlich fest: Nach einigen rechten und linken Haken folgten Kopfnuesse, die zu Platzwunden fuehrten. Nach einigem Hin und her endete die Pruegelei in meiner Hanegamatte, was ich dann auch nicht mehr so witzig fand, zumal mein «Bett» fast zu Bruche ging. Schliesslich wurde das Yuca-Problem dann irgendwie geloest und es herrschte wieder weitgehend Frieden.
Am dritten Tag kam ich endlich in das Vergnuegen, die beruhmten, rosafarbenen Flussdelfine (nein, kein Witz) zu Gesicht zu bekommen, die ueber die Wasseroberlfaeche zu gleiten schienen und, ab und zu, zu einem Sprung ansetzten um, so schien es mir, die Beobachter auf den Schiffen zu unterhalten.
Schliesslich lief die «Camila» in Iquitos ein. und ich machte mich auf die Suche nach einem Hostel um mich in die Dusche zu stuerzen, denn aus hygienetechnischen Gruenden habe ich die Dusche auf dem Kahn vermieden.
Alles in Allem eine unvergessliche Reise und ein guter Tipp, wenn man dem Backpackerstrom etwas aus dem Weg gehen will. Und abgesehen davon unschlagbar guenstig. Daher werde ich mich auch von Iquitos in’s Landesinnere Perus wieder mit einem Frachtschiff begeben.










