Bitterschokolade aus dem hohen Norden

Von Marta Nawrocka - Der Koi-​Fisch im Aquarium der Hotel-​Lobby heisst Wilhelm Tell. Der arme. Ich frage ihn, ob er wohl schon «The Deep End» gehört hat, das neue Album von Madrugada. Würde ja noch passen, zu seiner Situation. «Blubb» sagt Wilhelm Tell nur. Naja, da warte ich wohl lieber auf Gesprächspartner, die sich besser artikulieren können. Zum Beispiel: Sivert Höyem, den Mann mit der Schokoladenstimme, und Robert Buras, den Meister der verklärten Gitarrenklänge. Die …

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Reduktion in die Qualität des Klanges – Gespräch mit Don Li

Von Stephan Fuchs – Don Li, ich habe Ihnen zwei Sachen mitgenommen: Eine furchtbare CD eines Musikers, den wir beide kennen und eine andere CD, auch schlimm, die Sounds vom Mond Titan, aufgenommen von der Huygens-​Sonde.
Oh ja, also die erste CD ist wohl… na ja! Wissen sie was? Ich schenke ihnen das nächste Mal die schlimmste meiner CDs. Was halten sie davon?

Grossartig! Ich befürchte nur, dass Ihre CD, die sie mir schenken wollen,

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Helle Augen, dunkles Herz

Von Sarah Stähli - Bright Eyes schreibt seit Jahren unvergleichlich berührende Songs, denen man innert kürzester Zeit widerstandslos verfällt. Wer seine Musik noch nicht kennt, kann sie jetzt nicht mehr ignorieren: Bright Eyes erobert langsam aber sicher die Musikwelt und wird bald zu den ganz Grossen gehören. Ein massloses Loblied.

Er ist klein, schmal, bleich, gerade einmal 24 Jahre alt und schreibt grosse Musik, die ihresgleichen sucht. Conor Oberst alias Brigth Eyes aus Omaha, Nebraska …

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Dalida ist tot, es lebe Dalida!

Von Helen Lagger - Mit den Worten «Verzeiht mir, das Leben ist mir unerträglich» schied sie aus dem Leben. Noch heute bringen Fans Blumen auf ihr Grab. Dalida lebt. Wer sind die Verehrer von Dalida? Dalida ist immer noch en Vogue und zwar bei älteren Musikkennern wie auch bei jüngeren, die ihre Musik gerne mit House gemischt hören. Warum auch nicht. Dalida hätte das bestimmt selbst getan. Schliesslich hat sie alle Stile mit gemacht: Twist, …

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Sidsel Endresen

Von Nicolas Richard - Es gibt ja bekanntlich eine grobe Einteilung der Musik in so genannte Eund U-​Musik. E steht dabei für Ernste Musik und U für Unterhaltungsmusik. Ein Verbesserungsvorschlag könnte doch dadurch bestehen, dass man die Musik nach der Art ihrer Entstehung einteilt.

So gibt es meiner Meinung nach Musik die beim Spielen entsteht und solche die «schon immer» da war. Musik als Sprache der Götter. Die Musiker haben sich nur «per Zufall» am richtigen Ort …

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Hey Autobahn!

Von Benedikt Sartorius - Kaum eine andere Gruppe mied ich bis vor kurzer Zeit derart stark wie Kraftwerk. Faulheit und Angst vor der scheinbar technoiden Strenge ihrer Roboterästhetik versperrten eine Auseinandersetzung mit der Legende, dem Mythos Kraftwerk. Wie dem auch sei, die zwei gesetzten Herren Ralf Hütter und Florian Schneider besuchen Bern für zwei Konzerte und so anerbot sich mir Gelegenheit, diese Bildungslücke endlich auszumerzen.

Ähnlich, wenn auch ärger, erging es vor knapp dreissig Jahren …

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Tish Hinojosa

Von Klaus Bonanomi - Seit neustem gibt es in den USA mehr Latinos als Schwarze: Fast 40 Millionen Menschen sind es mittlerweile, die selber aus Mexiko und Mittelamerika eingewandert sind oder von Immigranten abstammen, die den Rio Grande legal oder illegal überquert haben, auf der Suche nach einem besseren Job und etwas Geld, um ihre Familien ernähren zu können.

Und Tish Hinojosa ist ihre Stimme. Was den Schwarzen auf den Baumwollfeldern der Blues war, das …

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Klingt wie Musik: Jorane

Von Lukas Vogelsang - Der Name, die Bewegung, die Stimme, die Worte, die Stille – all das ist ihre Musik. Ein Fluss aus ehrlichen Emotionen, kein Kitsch, keine billige Seifenoper, kein Zuviel. Einatmen, ausatmen. Ein Fluss aus Herzblut, echt, rot, intensiv, weiblich dynamisch. Sie ist intim, kommt uns gefährlich nahe ans Herz, macht Angst und dürstet nach Verlangen, keine Bedingung und klingt. Einatmen, ausatmen. Sie wird im gleichen Atemzug wie Tori Amos (ensuite – kulturmagazin …

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Hut ab und zugehört

Von Anet Häcki - StrassenmusikantInnen können nerven, und das nicht zu knapp. Am schlimmsten ist es für die Angestellten von Maroni- oder Glacéständen. Die arbeiten den ganzen Tag draussen auf der Gasse und auf einmal steht da ein Mann oder eine Frau oder ein Kind und trällert und pfeift und hämmert auf irgendeinem unschuldigen Instrument herum, den ganzen Tag dasselbe Lied, immer wieder die gleich Melodie, immer wieder falsch, und wieder von vorne, zwischendurch wird …

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Hochwürden, sind Sie besessen?

Von Stephan Fuchs - Reverend Beat-​Man, seit drei Tagen habe ich keine Angst mehr vor dem Tod! Ist das normal?
Oh ja, keiner sollte sich vor dem Tod fürchten. Was nahm Ihnen denn die Angst?

Die neue Platte „Flammend’ Herz“ von „The Dead Brothers“, die in Ihrem Label „Voodoo Rhythm“ erschienen ist. Die Musik muss an meinem Begräbnis gespielt werden. Hoffentlich live, auch wenn die Herren bis dahin alt und grau sind.
Ich verstehe. Die …

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«we call it acid»

Von Sarah Elena Schwerzmann - 1981 entwickelte und produzierte der Instrumentenhersteller Roland in Japan ein Gerät mit Namen TB 303. Dieses Gerät war ursprünglich für Gitarrenspieler konzipiert, die damit eine Bassline programmieren und sich von dieser begleiten lassen konnten. Es dauerte dann einige Zeit, genauer gesagt bis 1986, bis die Chicago House Produzenten DJ Pierre und Earl Smith als eine der ersten Produzententeams darauf kamen, die TB 303 auf eine ganz andere Art und Weise …

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Bescheidenheit hat einen Namen: André Absolut

Von Sarah Elena Schwerzmann - Es ist Samstag Abend. Ich sitze André Absolut gegenüber, der mir beim gemütlichen Abendessen aus seinem Leben als DJ und Produzent erzählt. Es geht hauptsächlich um die Vergangenheit und die Gegenwart. Doch wie sieht’s mit der Zukunft aus? Zukunftspläne? Hat er keine konkreten, meint er bescheiden. «Ich mache einfach so weiter wie bisher und lasse die Zukunft auf mich zu kommen.» Aussergewöhnlich. Wie viele DJs und Produzenten kenne ich denn, …

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Tomazobi – eine Berner Angelegenheit

Von Camillo Landbø - Seit 1999 macht das Trio Tomazobi die Stadt Bern unsicher. Tobias „Tobi“ Heim (23), Matthias „Matz“ Künzler (26) und Mark „Obi“ Oberholzer (26) singen unverblümte, teils schamlose Lieder auf Berndeutsch. Nicht selten platzen sie mit Gitarre unerwartet in eine Party hinein und bescheren den Gästen ein unterhaltsames und amüsantes Intermezzo.

Ihr singt Troubadourlieder?
OBI: Es sind Berndeutsche Lieder.
TOBI: Chansons. Man kann es gar nicht so genau definieren. Zum Teil nehmen …

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Alter schützt vor Würde nicht

Von Lukas Vogelsang - Wieder eine Ode. Am 15. Mai spielte im Hallenstadion Zürich vor rund 12‘000 Menschen ein richtiges Fossil einer ganzen Musikepoche: Peter Brian Gabriel, geboren am 13. Februar 1950 in London, gab mit seiner Crew und Mitmusiker ein beeindruckendes Spektakel.

Peter Gabriel überzeug visuell – er entwickelte sein Äusseres in den letzten Jahren immer mehr zu einem zweiten Sean Connery oder zwischendurch an einen japanischen ZEN-​Guru – vor allem aber durch sein Handwerk …

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WORLD WOMEN VOICES: Omri Hason Trio & Sandhya Sanjana

Von Benedikt Sartorius - „Ich kann nur spielen, was ich bin.“ Dies ist eine der zentralen Aussagen des seit 1986 in Bern ansässigen Perkussionisten Omri Hason. Entgegen dieser Einstellung entwickelt sich Weltmusik immer mehr zu einem verwässerten Begriff. Zurückzuführen ist dies auf Produktionen, die nur an der Oberfläche von fremden Kulturen kratzen und damit Fusionen ohne Fundament bilden. Zuhauf entstehen so reichlich verklärte Bilder der jeweils zitierten Kultur und stellen statt Vermittlung doch nur weitere Klischees …

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Musikalischer Besuch aus Rom

Von François Lilienfeld - Auf seiner Frühjahrestournée wird das Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia di Roma fünf Konzerte in der Schweiz geben, organisiert vom Migros-​Kulturprozent. Sie werden dirigiert von Sir Antonio Pappano, der seit Oktober 2005 künstlerischer Leiter des Orchesters ist. Dieser 1959 in London geborene Musiker stammt von italienischen Eltern ab und hat in den USA Klavier, Komposition und Dirigieren studiert. Seine Aktivitäten sind vielseitig – sie umfassen sowohl die Oper wie das …

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