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Das Kombinationstalent

Von Simone Weber – Wenn das strah­lend hel­le Sonnenlicht die gan­ze Farbenpracht des Frühlings in die­ser unwahr­schein­li­chen Sattheit leuch­ten lässt, ist die Zeit gekom­men, einen ganz beson­de­ren Klassiker aus dem Schrank zu holen. Einen, der inmit­ten all die­ser Farben nicht unter­geht, der das Licht wei­terträgt, bis in den Abend hin­ein. Dieser Klassiker hat drei­tau­send Jahre auf dem Buckel und erzählt die Geschichte von einem lan­gen Leinengewand, das über die Jahrhunderte immer kür­zer und gleich­zei­tig tie­fer geschlitzt wur­de. Heute lie­ben wir ihn nicht weni­ger als damals. Er ist eigent­lich eine sie: die Bluse. Oder noch klas­si­scher: die weis­se Bluse.

Natürlich ist der Ursprung der Bluse eben­so der Ursprung des Hemdes. In sei­nen Anfängen war es ein Kleid, das von der Schulter bis zum Fussknöchel reich­te und zum An‐ und Ausziehen über den Kopf gestreift wer­den muss­te. Getragen wur­de die­ses Kleid im anti­ken Griechenland und dem alten Rom. Aus dem Gewand, das sowohl von Männern wie auch von Frauen getra­gen wur­de, ent­stand im Laufe der Zeit die Tunika die sich wie­der­um zur Cotte wei­ter­ent­wi­ckel­te. Diese liess sich typi­scher­wei­se mit einer alten Form von Knöpfen oder Bändern über der Brust schlies­sen. Die Cotte war das typi­sche Gewand des Mittelalters.

Das eigent­li­che Hemd, als Oberkörperbekleidung, gibt es erst seit dem 16. Jahrhundert. Das Material der Stoffe, aus denen Hemden und Blusen gefer­tigt wur­den, bestand nicht mehr nur aus den ursprüng­li­chen gro­ben Leinengeweben, son­dern wur­de fei­ner. Dünne und wei­che Stoffe wie Seide oder Satin wur­den ger­ne ver­wen­det und ver­lie­hen der Bluse eine unauf­dring­li­che Eleganz. Später hielt auch hier die Baumwolle Einzug. Ab dem 19. Jahrhundert wur­den Hemden und Blusen mit ange­näh­ten Knöpfen aus­ge­stat­tet und erhiel­ten so die Form, in der wir sie heu­te ken­nen. Übrigens wer­den Hemden bis heu­te von rechts geknöpft, Blusen von links.

Im Gegensatz zur männ­li­chen Variante die durch all die Jahre hin­durch rela­tiv schlicht blieb, hat sich die Bluse auch in ihrem Schnitt auf viel­fäl­ti­ge Weise wei­ter­ent­wi­ckelt. In ihrer ursprüng­li­chen Form liegt sie eng an und betont die sinn­li­chen Formen des weib­li­chen Körpers. Heute gibt es auch wie­der län­ge­re Blusen, die wun­der­bar über einer Hose getra­gen wer­den kön­nen und ins­ge­samt etwas läs­si­ger und sport­li­cher daher­kom­men. Die roman­ti­sche Variante ist mit fei­nen Stickereien ver­ziert, mit Rüschen aus­ge­stat­tet oder mit klei­nen Schleifen ver­se­hen. Unabhängig jedoch von Form und Material ist die klas­si­sche Bluse weiss.

Besonders schön ist die weis­se Bluse, wenn sie aus natür­li­chen Stoffen her­ge­stellt wird. Es unter­streicht ihre Reinheit und Einfachheit. Blusen aus syn­the­ti­schen Fasern ver­lie­ren ihren Zauber. Ein klei­ner Strechanteil jedoch ermög­licht eine bes­se­re Passform und mehr Beweglichkeit für die Trägerin und ist des­halb erlaubt. Die weis­se Bluse gibt es heu­te für jede Figur und jeden Anlass. Es gibt sport­li­che Blusen, Blusen die kaschie­ren und beto­nen, Blusen im Businesslook, roman­ti­sche und ver­füh­re­ri­sche Blusen, Blusen mit kur­zen Ärmeln, mit lan­gen Ärmeln, mit wei­ten Ärmeln, engen Ärmeln oder ganz ohne Ärmel.

Schon als Einzelgängerin eine Wandlungskünstlerin, wird die weis­se Bluse in Kombination mit ande­ren Kleidungsstücken zum Chamäleon. Mit schwar­zer Anzughose oder mit Bleistiftrock wirkt sie streng und seri­ös und schafft damit den per­fek­ten Look für das Büro. Mit enger Hose und Stylettos hin­ge­gen macht sie uns auf­re­gend sexy und seri­ös zugleich. Mit der alten Lieblingsjeans kom­bi­niert ver­bin­det sie Lässigkeit mit Eleganz. Offen getra­gen, wenn nur die Enden über dem nack­ten Bauch ver­kno­tet wer­den, ver­leiht sie uns am Strand, kom­bi­niert mit einer kur­zen Hose, etwas Mädchenhaftes. Wichtig ist bei den gan­zen Kombinationsmöglichkeiten: Eine schmal geschnit­te­ne Bluse gehört in die Hose und weit­ge­schnit­te Blusen dür­fen nur mit engem Beinkleid getra­gen wer­den.

Niemals wirkt die Schlichtheit einer weis­sen Bluse lang­wei­lig, wenn wir ihr den rich­ti­gen Begleiter an die Seite stel­len. Die weis­se Bluse mag unter­schied­li­che Accessoires. Zudem lässt sich auch mit ihren Knöpfen wun­der­bar spie­len. Wir kön­nen sie seri­ös bis oben zuge­knöp­fen, eine ver­füh­re­ri­sche Sicht aufs Dekolltée frei­ge­ben oder gänz­lich auf­ge­knöpft läs­sig über einem Tanktop tra­gen, so dass der Wind sich in ihr ver­fängt und unse­ren son­nen­ge­wärm­ten Körper zärt­lich kühlt.

Die weis­se Bluse ist ähn­lich unver­zicht­bar wie die blaue Denim. Noch immer ist sie ein fes­ter Bestandteil der Mode. Sie ist clean und schlicht und ver­kör­pert dadurch eine jung­fräu­li­che Frische. Und sie ist es wert, immer wie­der getra­gen und neu kom­bi­niert zu wer­den. Gerade jetzt, im Frühling, wenn die Temperaturen lau wer­den und der hel­le, gebü­gel­te Stoff im Sonnenlicht strahlt, lässt uns nichts fri­scher wir­ken als eine weis­se Bluse.

Bild: Vero Moda SPANA /​ Foto: zVg.
ensui­te, Mai 2011

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Artikel online veröffentlicht: 21. Januar 2019