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EDITORIAL Nr. 74

Von Lukas Vogelsang – Seit der Zürcher Kulturblog‐​Macher Rico Bandle job­mäs­sig von der Tamedia geschluckt wur­de, ist sein kul­tu­rel­ler Dialog im Internet ein­ge­fro­ren. Seither ist es gene­rell ruhig gewor­den in Zürich – es gibt kaum einen Ort, ein Medium, wo ein unab­hän­gi­ger Kulturdialog statt­fin­den kann – und dies in der gröss­ten Stadt der Schweiz. Die Medienhäuser machen wei­ter­hin ihr redu­ziert kul­tu­rel­les Entschuldigungsprogramm, die VeranstalterInnen war­ten auf das Manna vom Himmel – aber eine akti­ve kul­tur­kri­ti­sche Bewegung scheint es nicht zu geben. In Bern ist das nicht anders. Immerhin star­ten wir in der Hauptstadt jedes hal­be Jahr einen neu­en Versuch in Richtung Kulturkommunikation, und die­ser dringt dann auch an die Öffentlichkeit. Doch lan­ge hal­ten die Versuche nicht und das Vergessen ist stär­ker. Das stimmt bedenk­lich, aber nett, dass wir das mal erwähnt haben.

Nicht, dass die­ser Dialog nicht gefragt wäre. Auf unse­rer Webseite (www​.ensui​te​.ch) kön­nen wir sehr gut nach­voll­zie­hen, wel­che Themen am meis­ten gele­sen wer­den (bei rund 50’000 ange­se­he­nen «Seiten» pro Monat gibt das schon was her). «Kultur & Gesellschaft» ist die meist­ge­le­se­ne Rubrik – hier wer­den die LeserInnen auch sel­ber aktiv und schrei­ben oder tele­fo­nie­ren uns. Der ein­zel­ne Event aller­dings ist nicht son­der­lich span­nend. Erst, wenn das Gesehene in einem Dialog geteilt wird, fängt eine kul­tu­rel­le Auseinandersetzung an zu wir­ken. Doch wo wol­len wir die­ses Gedankengut noch tei­len? Wer gibt der Gesellschaft Impulse, selb­stän­dig über Themen nach­zu­den­ken? Wann haben Sie, lie­be LeserInnen, das letz­te Mal Ihre Person und Ihre Funktion in der Gesellschaft, viel­leicht auch Ihre Anteilnahme, über­dacht und mit ande­ren dis­ku­tiert?

Ich spü­re wenig Lust an die­sen Auseinandersetzungen in mei­nem täg­li­chen Umfeld. Die Disurse wer­den den Künstlern über­las­sen – man hat schliess­lich genug ande­re Probleme. Es ist nicht so wich­tig. Es spielt kei­ne Rolle, was man denkt. Pizzaessen ist ele­men­ta­rer. Prost.

Foto: zVg.
ensui­te, Februar 2009

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Artikel online veröffentlicht: 29. July 2018