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Goodbye and God bless

Von Tat­jana Rüegseg­ger - Es ist immer wieder erstaunlich wie aus ein­er Band ein Mythos wird. Genau so erstaunlich ist es, was dies für eine Wirkung auf die Jour­nal­is­ten hat. Die Fol­low­ill-Brüder von «Kings of Leon» sind sich das wahrschein­lich gewohnt. Wie nun ein Inter­view mit zwei «Mythen» so ver­läuft, ist nicht ein­mal so schlimm, wie man es erwarten würde.

Es ist Son­ntag­mor­gen, sieben Uhr. Nach knapp zwei Stun­den Schlaf und einem Kaf­fee ver­suchen wir uns auf eines der heuti­gen Inter­views vorzu­bere­it­en. Aus­gerech­net bei ihnen haben wir wed­er Bestä­ti­gung noch Absage bekom­men. Wieso aus­gerech­net? Im Inter­net sind keine Inter­views und sehr wenige Infor­ma­tio­nen über «Kings of Leon» zu find­en. Es han­delt sich beina­he um einen Mythos. Doch wir geben nicht auf, wir ken­nen ihre Musik ja so gut…

Knapp eine Stunde später befind­en wir uns kurz vor dem Ner­ven­zusam­men­bruch. Anja Küng, die Pro­mo­tion­s­man­agerin von SonyB­MG, bestätigt uns das Inter­view, weiss aber noch nicht genau, um welche Zeit es stat­tfind­en wird. Und wir? Wir haben ger­ade her­aus­ge­fun­den, dass wir ziem­liche Nieten sind in Sachen «Kings of Leon». Die Fol­low­ill-Brüder und der eine Cousin (Wer ist jet­zt der Cousin und wer sind die Brüder?!) sind näm­lich sehr religiös. Was? Woher soll­ten wir das bitte schön wis­sen? Ihre Musik beweist dies wohl nicht. Wie wir dank Wikipedia her­aus­find­en kon­nten, war der Vater der Brüder ein Reisender Priester. Na toll, sollen wir sie etwas über ihre Reli­gion fra­gen? Sind sie wirk­lich so religiös wie alle es sagen? Die hat­ten doch riesige Alko­hol-Prob­leme! Das schliesst aber nichts aus…

Unsere Nach­barn machen sich auch an die Arbeit, sie sind so aufgeregt, sprechen von Vir­tu­osität und wie unglaublich das ist, mit ihnen ein Inter­view zu haben. Wir sind ein wenig ver­wirrt. Klar, «Kings of Leon» zu inter­viewen ist ein Grund, nervös zu sein, aber die «Man­ic Street Preach­ers», die wir am Fre­itag inter­viewten waren, schon ein Lev­el höher. Anja meldet sich schon wieder, in ein­er hal­ben Stunde holt sie uns vor dem Medi­en­corner ab. Das Inter­view find­et statt.

Hier erfahren wir, dass die Kings sehr sel­ten Inter­views geben. Entwed­er wer­den diese nicht angenom­men oder kurzfristig abge­sagt. Bestätigt ist also noch nichts. Also, eine halbe Stunde und genau… zwei nicht so tolle Fra­gen. Zehn Minuten vor unserem Tre­f­fen entschei­den wir uns, die Karten zu zück­en, unsere Geheimwaffe. Doch so sich­er sind wir uns mit dieser Wahl auch nicht, ob die gut ankom­men? Unsere Kol­le­gen haben sich schon vor der Tür ver­sam­melt. Es sind auf­fal­l­end viele Jour­nal­is­ten. Komisch, wird es eine Pressekon­ferenz? Eine Stunde und ein Foto mit Kei­th Mur­ray («We are Sci­en­tists») später sitzen wir immer noch vor dem Medi­en­corner und erwarten jede Sekunde eine Absagen von Anja. Doch plöt­zlich erscheint sie mit ein­er hand­voll Pässen in der Hand. Im Dop­pel­pack verteilt sie diese Pässe und so kommt her­aus, dass wir nur zu sechst sind, es also immer zwei pro Medi­um sind. Was genau heisst: Wir sind nur drei!!

Auf dem Weg zum Back­stage­bere­ich steigt unser Puls an und wir wis­sen nicht ganz genau, was auf uns zukom­men wird. Wir kom­men an und Anja erk­lärt uns nochmals, wie glück­lich sie ist, dass es heute wahrschein­lich stat­tfind­en wird, denn es war bis heute nie gelun­gen. Sie erk­lärt den vier Kol­le­gen, dass sie die ersten zwei Inter­views machen wer­den, kehrt sich nach­her zu uns und fragt, ob das so okay ist. Klar doch, mehr Zeit ist immer gut.

Fest entschlossen, uns noch ein wenig vorzu­bere­it­en, set­zen wir uns an einen Tisch, ohne zu merken, dass «Er and the Bling Bling Blings» nebe­nan sitzen. Wer das ist? Das ist der Tarn­name für : «Joe Lean and the Jing Jang Jong». Nun, alle wis­sen, wer jet­zt in eini­gen Minuten auf­tauchen soll. Wir fum­meln mit unseren Kärtchen herum, während die «Bling Blings» darüber reden, welchen der «Kings Of Leon» sie am meis­ten mögen. Und plöt­zlich schre­it ein­er von ihnen auf und ruft: «Schaut, da ist Caleb!».

Unser Herz bleibt ste­hen, wir drehen uns um und da ist er tat­säch­lich. Caleb, gefol­gt von einem riesi­gen Typen mit Tatoos und einem halb so grossen Jun­gen… mit ein­er Kam­era! Zwei Fra­gen: 1. Haben wir da was ver­passt? Gibt es neue Mit­glieder? 2. Was um Gotteswillen will diese Kam­era hier!? In der Zwis­chen­zeit sind die Restlichen auch aufge­taucht und haben sich schön gle­ich­mäs­sig unter den zwei Jour­nal­is­ten­grup­pen aufgeteilt.

Die Kam­era entschei­det sich für eine Gruppe und wech­selt ein paar Minuten später zur anderen.

Jet­zt sind wir dran. Nathan und Matthew warten schon auf uns.

Nathan Fol­low­ill (zum Kam­era­mann): Kannst du da ran­zoomen? Auf dem Bier ste­ht «Bier aus der Hölle». (lacht) Das ist toll, ich trinke Bier aus der Hölle!

 Ja, das ist das offizielle Bier des Fes­ti­vals. Wart ihr vorher schon mal hier?

N: Nein, es ist unser erstes Fes­ti­val. Der Typ, der uns vorhin inter­viewt hat, sagte uns, er sei an unserem Konz­ert in Zürich gewe­sen, also waren wir schon mal in der Schweiz. Aber das ist drei oder vier Jahre her.

 Ok, wir haben hier ein paar Kärtchen. Der Eine zieht sie und stellt die Frage dem Andern und umgekehrt.

N: Oh toll. Das ist ger­ade richtig für unser Video.

Matthew Fol­low­ill: Soll ich mal eine Karte ziehen?

N: Ok, Jared. Komm, gib’s mir

M: Also, nenn mir einen Song, der wichtig ist für dich. Aber keinen von unseren Songs!

N: Ich denke da an «On the road again» von Willie Nel­son.

 Wieso dieses Lied?

M (her­aus­fordernd): Ja, Nathan, wieso dieses Lied?

N: Wenn ich auf der Strasse bin, bin ich glück­lich, und wenn ich’s nicht bin, dann hör ich mir dieses Lied an. Dann füh­le ich mich ein wenig trau­rig und will wieder reisen.

 Ihr seid es euch ja gewohnt, viel zu reisen, da euer Vater ein reisender…

N: Priester war. Ja.

 Genau, ist es denn so, dass dir etwas fehlt, wenn du nicht auf Reisen bist?

N: Früher war das schon so. Aber jet­zt haben wir alle Fre­undin­nen, die zu Hause auf uns warten. Und wir leben nicht mehr alle zusam­men. Da sind wir schon glück­lich, wenn wir wieder bei ihnen sind. Ok, Matthew, bist du bere­it? (zieht eine Karte) Ich werde dir jet­zt ein Wort sagen und du sagst mir das Erste, was dir durch den Kopf geht. Ok?

M: Ich glaub, ich hab’s gecheckt.

N: Penis! (alle lachen, teils ein wenig ver­wirrt). Ok, nein, Zukun­ft.

M: Shows.

N: Oh Mann, du kannst das echt nicht.

M: Mir kom­men aller­lei blöde Sachen in den Sinn. Aber das kann ich doch nicht sagen!

N: Doch sich­er, darum geht’s ja!

M: Ok, ok, Autos! Ich will mir ein neues Auto kaufen.

N: Siehst du! Ein neues Auto also. Weisst du schon, was für eins es sein soll? Es soll schnell sein!

M: Es ist mein Auto!

N: Siehst du, so sollte man immer Inter­views machen. Das ist toll!

M: Genau, und hier kommt gle­ich deine Frage: Was machst du, bevor du auf die Bühne steigst? Wenn es nicht das­selbe ist wie ich, dann weiss ich auch nicht weit­er…

N: Wir sin­gen zusam­men ein kleines Lied und dann beten wir gemein­sam und gehen auf in den Kampf!

 Ist es immer das gle­iche Lied?

N: Jap, immer das gle­iche Lied. Eins, das wir zusam­men sin­gen, seit wir kleine Jungs waren.

M : Ich weiss nicht ein­mal, wie’s heisst.

N: «Have a lit­tle talk with Jesus». (zieht ein Kärtchen) Du Glück­lich­er! Schon wieder, das erste was dir in den Kopf kommt: Träume.

M: Traum­fänger. Ach, keine Ahnung…

N: Nein! Wie sind deine Träume… Träume!

M: Ein neues Auto?

Traum­fänger war bess­er…

N: Komm schon, sag etwas Cooles. Wel­ter­oberung oder so. Phan­tasie!

M: Welt­frieden?

N: Ok, nicht schlecht.

Das klingt wie eine Miss-Ameri­ka-Antwort.

(Nathan macht eine Miss nach, indem er seinen Arm zur Begrüs­sung bewegt)

 Immer mit dem Ell­bo­gen nach oben, das sagen die Pro’s.

N: (bewegt sein Ell­bo­gen nach oben) Richtig so?

M: Uns hat man gesagt…

N: Als ich zur Schön­heitss­chule ging, sagte man mir, der Ell­bo­gen gehöre nach unten.

M: Ich bin dran. Gibt mir auch eines dieser Wörter. Bitte! Ah da ist ja eins, ich seh’s schon! Also, das Erste, was dir in den Sinn kommt, jet­zt: Home.

N: Ten­nessee! Ich hätte sagen kön­nen: «Wo das Herz ist»… (leise) Aber das ist bei Jesus.

 Ihr seid ja ursprünglich aus Ten­nessee, nicht?

N: Ja, wir wohnen immer noch alle dort. In Nashville. Ok, Matthew. Wenn du eine Frucht sein müsstest, welche wäre es und wieso?

M: Oh Gott. Wieso? Ich bin aller­gisch auf Früchte.

 Echt?

M: Ja, mein Hals kratzt dann so blöd. Also wahrschein­lich eine Banane, das ist die einzige Frucht, die ich essen kann.

Caleb (von hin­ten): Avo­ca­do? Tomate?

M: Oh, eine Tomate!

N: Wieso eine Tomate?

M:…

N: Weil man sie aus­quetscht und dann Ketchup her­stellt! Da haben wir’s!

Bild: zVg.
ensuite, Sep­tem­ber 2008

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Artikel online veröffentlicht: 10. Oktober 2017