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Graphik – Eine Reise durch die Jahrhunderte

Von François Lilien­feld - Die Region Langue­doc-Rous­sil­lon, zwis­chen Nîmes und der spanis­chen Gren­ze gele­gen, ist ver­wöh­nt, was Museen auch in kleineren Ortschaften bet­rifft. So kann die Stadt Lodève, im Départe­ment de l’Hérault, sich rüh­men, eines der aktivsten Kun­st­museen Frankre­ichs zu besitzen, und das bei etwa 8000 Ein­wohn­ern! Das Muse­um wird im Moment ver­größert, die Wieder­eröff­nung ist für Som­mer 2018 vorge­se­hen. Die Umbauzeit wird durch Anlässe im „Cel­li­er des Evêques“ über­brückt, einem Gebäude, welch­es noch Ele­mente aus dem XI. Jahrhun­dert enthält.

Dort kann man bis zum 5 Novem­ber 100 Meis­ter­w­erke aus ein­er Samm­lung bewun­dern, die üblicher­weise in Vevey, im Musée Jenisch, hin­ter­legt ist, ein schönes Beispiel fran­co-schweiz­erischen Kul­tur­aus­tausches. Die Exponate stam­men aus der Fon­da­tion Cuen­det, deren Grund­stock von Pfar­rer William Cuen­det (1886–1958), einem begeis­terten Graphik-Samm­ler, gelegt wurde.

Man kann Arbeit­en von Rem­brandt, Dür­er, Corot, Dau­mi­er, Degas und vie­len anderen betra­cht­en. Das Beson­dere an der Ausstel­lung ist jedoch, dass sie gle­ichzeit­ig eine Ein­führung in die ver­schiede­nen Arten der Graphik bietet: Kupfer­schnitt, Radierung, Holzschnitt und weit­ere Tech­niken sind vertreten und wer­den vorgestellt und erk­lärt. Dies macht die Ausstel­lung, und ins­beson­dere den Kat­a­log, zu ein­er wertvollen kun­sthis­torischen Ein­führung.

Man ist beein­druckt von der Vielfalt der Aus­drucksmöglichkeit­en dieser „pin­sel­losen“ Kun­st. Sei es die Kom­plex­ität der Lin­ien in Corots „Zug­brücke“, die Weite des Hor­i­zonts in Canalet­tos „Torre di Mal­ghera“ oder die Phys­iog­nomie in Rem­brandts „Bet­tler“, immer wieder ist man über­rascht, wie eine den Kün­stler in einen eher engen Rah­men zwin­gende Tech­nik seine Phan­tasie beflügelt und ihn in ungeah­nte Höhen führt. Dass auch heutige Kün­stler sich von der Graphik keineswegs abwen­den, zeigen z. B. Werke von Pierre Schopfer (*1943) oder Denise Voita (1928–2008).

Ein faszinieren­der Rundgang durch die Geschichte also, der einen Umweg (oder gar eine Reise) über Lodève dur­chaus lohnenswert macht, zumal die Gegend auch land­schaftlich, mit ihrer Nähe sowohl zum Meer wie zu den Bergen, sehr reizvoll ist.

Der Kat­a­log, der jed­er Kun­st­buch-Samm­lung würdig ist, kann bestellt wer­den bei:

Musée de Lodéve
Cel­li­er des évêques
Boule­vard Gam­bet­ta
F – 34700 Lodève
Tel.: 0033 467 88 86 10

www.museedelodeve.fr

Bild: Cas­tiglione (1616–1670), Tête de jeune homme avec tur­ban, vers 1645–1650, eau-forte, 10x82mm

 

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Artikel online veröffentlicht: 12. Oktober 2017