• zurück

Jetzt alles kryptisch oder was?

Von Lukas Vogel­sang - Seit Mitte 2017 sind Kryp­towährun­gen ganz gross in den Medi­en und jagen einen Gewinnzuwach­sreko­rd nach dem anderen. Dies­mal sind die Finanzjon­gleurIn­nen aber in Jeans und Pul­li unter­wegs statt in Anzug und Krawat­te. Im Dezem­ber 2017 erre­icht­en die dig­i­tal­en Währun­gen einen sur­realen Höhep­unkt, haupt­säch­lich gener­iert durch eine unglaubliche Anzahl neuer AnlegerIn­nen, welche vor allem das schnelle Geld gese­hen haben. Die exor­bi­tan­ten Gewin­n­mel­dun­gen hat­ten ange­lockt: Finanzhaie, Insti­tu­tio­nen sowie ein­fache Pri­vatan­legerIn­nen in hohen Men­gen. Man erkundigte sich nach den Möglichkeit­en, um auch seinen Gewinn von diesen Geld­maschi­nen zu abzu­holen. Wer noch nicht gekauft hat­te, wollte jet­zt dabei sein.

Viele Börsen­plat­tfor­men waren dem Ansturm nicht gewach­sen, ver­melde­ten Pan­nen oder schlossen die Tore für Neuan­mel­dun­gen von Pri­vat­en. Der Ansturm der Gier block­ierte öfter mal einen Serv­er, und Transak­tio­nen wur­den immer langsamer. Schnelles Geld! Gewinne von 100 % in ein paar Tagen – so absurd es klingt, es war möglich. Es war die let­zte Schlacht am kalten Buf­fet.

Das ging genau 14 Tage gut. Gle­ich im Jan­u­ar kam der Dämpfer: Die Kurse brachen ein. In der Über­hitzung waren vor allem im asi­atis­chen Raum, allen voran in Süd­ko­rea und Chi­na, die Behör­den aktiv gewor­den. Sie ver­langten staatliche Kon­trolle und Überwachung – das eigentliche Gegen­teil von dem, was die Kryp­towährun­gen anstreben – und man sprach Ver­bote aus, schloss Börsen. Diese Verun­sicherung ver­leit­ete viele AnlegerIn­nen zu mas­siv­en Verkäufen ihrer Kryp­towährun­gen. Das drück­te die Kurse. Auch die Neukryp­toianer­In­nen, welche sich nicht gewohnt waren, dass ein Gewinn von 100 % auch ein Ver­lust von 100 % sein kön­nte, beka­men Angst und verkauften. Also all die Mil­lio­nen Neuzugän­gerIn­nen, welche im Dezem­ber oft schon zu spät und zu jet­zt hohen Preisen eingestiegen waren, woll­ten wieder raus! Und das sehr schnell. Par­al­lel dazu kam der nor­male Aktien­han­del unter Druck und brach ein. Gut möglich, dass die Kryp­towährun­gen generell die nor­male Weltanord­nung hat. Ein Zusam­men­hang ist nicht auszuschliessen.

Ein Chaos, aber eigentlich ein ganz nor­males. Zeitlich spielte sich alles inner­halb von ca. zwei Monat­en ab. Wer die Kurse studiert, sieht, dass sich kaum was verän­dert hat, ver­glichen mit Anfang Dezem­ber. Nur eines: Der Traum von allzu schnellem Geld ist mal wieder zusam­menge­brochen. Aber das ist schon alles. Deswe­gen ist es auss­er in den Medi­en, die sich hyper­ak­tiv mit ver­meintlichen Sto­rys in Posi­tion brin­gen wollen, beden­klich ruhig in den Märk­ten. Bit­coins und die anderen Kryp­towährun­gen sind nicht gestor­ben und wer­den so schnell nicht ver­schwinden. Wahrschein­lich im Gegen­teil. Wer die pos­i­tiv­en Mel­dun­gen über Zusam­men­schlüsse und Koop­er­a­tio­nen der Fir­men hin­ter eini­gen Kryp­towährun­gen gele­sen hat, weiss wieso.

Doch was sind Kryp­towährun­gen über­haupt? Worum geht es da?

Im Jahr 2008, ein paar Monate nach dem Zusam­men­bruch der unver­ant­wortlichen Mis­s­wirtschaft der Banken (Lehman Broth­ers), welche eine glob­ale Finanzkrise aus­löste, erschien das «White Paper» zu Bit­coin. Das ist so was wie das Grund­la­gen­pa­pi­er, das Leit­bild ein­er meist tech­nis­chen Lösung. Es war die Grund­lage für eine neue Währung: dig­i­tal, sich­er, ohne den Banken und den bekan­nten Mächti­gen, die alle an unserem Geld ver­di­enen, auch nur einen Fin­ger zu krüm­men. Dieses «White Paper» brachte erst mal bei den dig­i­tal­en Nerds die Augen zum Leucht­en, viele hörten ein­fach mal gut zu. Alle anderen ver­sucht­en, Sand zu streuen. Kaum jemand glaubte daran, dass diese «Bit­coins» was taugten. Der beste Nährbo­den dafür also, dass ein Pro­jekt ungestört wach­sen kann. Und lange Zeit war es auch ziem­lich ruhig und die Entwick­lung brummte voran.

Die Proteste in Spanien und der Ara­bis­che Früh­ling (begann 2010) und die Staats­fi­nanzkrise in Griechen­land – sie alle kamen zum gle­ichen Zeit­punkt mit den gle­ichen The­men: Geld, Frei­heit, Demokratie und vor allem mit der Kri­tik an den alten Macht­ge­fü­gen. Ab 2011 wun­derten wir uns über die Occu­py-Bewe­gun­gen, die sich weltweit in Camps bre­it­macht­en. Auch in Zürich. Es waren Auf­schreie und Aktio­nen jün­ger­er Gen­er­a­tio­nen, die die Nase gestrichen voll hat­ten von diesen «alten Mächt­en» und eine andere Zukun­ft sucht­en. Die meis­ten Camps und Proteste wur­den zer­schla­gen, und es wurde viel Aufwand betrieben, die Stim­men zum Schweigen zu brin­gen. Weltweit nahm man dabei auch Gewalt und Tote in Kauf. Die Grund­prob­leme blieben aber ungelöst, die Unzufrieden­heit blieb. Im Kern wur­den Pro­jek­te und Ideen zur Umset­zung der Men­schen­rechte und ein­er neuen Wel­tord­nung gefüt­tert. Viele neue Ideen zu Demokratie und Gesellschaften fan­den ab dieser Zeit einen willi­gen und kräfti­gen Nährbo­den und vieles geri­et in den Denk­fab­riken in Bewe­gung. Neue Sys­teme mussten stärk­er wer­den, strate­gis­ch­er. So fan­den auch die Kryp­towährun­gen mit diesen Bewe­gun­gen neue Anhän­gerIn­nen und eben­so neue Ideen. Denn Geld ist Macht. Vor allem für jene, die den Geld­fluss steuern. Aber Ideen sind noch mächtiger.

Kryp­towährun­gen sind eine neue Art von Geld­währung, die evo­lu­tion­stech­nisch gewach­sen ist. Man kön­nte sagen, sie sind eine Mis­chung aus Crowd­fund­ing, Aktien­han­del, Anleger-
optio­nen und Zahlungsverkehr. Vielle­icht nehmen wir noch den Kun­sthandel hinzu – das passt auch ganz gut. Klingt das ver­rückt? Vielle­icht. Mit Schnee­ball­sys­te­men hat das auf jeden Fall nichts zu tun. Bei Kryp­towährun­gen sind nur ein paar Dinge anders:
Ein­er­seits kann man keinen Kred­it aufnehmen. Das heisst, jed­er Batzen (Coin) ist irgend­wie mal von irgend­je­man­dem bezahlt wor­den. Unter­dessen ist es zwar üblich, dass man mit ein­er Kryp­towährung eine andere kauft – aber das ist eben­so mit nor­malen Währun­gen gle­ich: Man kauft auch Euros mit Dol­lars. Da die Kryp­towährun­gen ihre Coins oft in der Anzahl begren­zen, ist der Markt ziem­lich über­sichtlich und kein Fass ohne Boden. Und es macht eine Währung rar, wie ein Kun­sto­b­jekt.

Ich muss Kryp­towährun­gen nicht auf ein­er Bank lassen, son­dern kann diese – genau­so sich­er! – bei mir zu Hause deponieren. Die Sicher­heit, das grosse Schlüs­selthe­ma von Geld, ist die eigentliche tech­nis­che Errun­gen­schaft in der kryp­tis­chen Welt: Während nor­males virtuelles Geld (also alles ausser­halb von Bargeld) nur von staatlich akzep­tierten und lizen­zierten Insti­tu­tio­nen bewegt wer­den darf, wer­den viele Kryp­towährun­gen über die soge­nan­nte Blockchain trans­feriert. Dieses Sys­tem bedeutet: Eine Über­weisung von A nach B wird nicht nur von A und B bestätigt (herkömm­lich), son­dern gle­ichzeit­ig von allen Teil­nehmern im besagten Netz. Es gibt also immer Tausende von Zeu­gen für einen Trans­fer und die Dat­en zum Trans­fer wer­den eben­so an Tausenden Orten abgelegt. Diese Pro­tokolle wer­den in Daten­blöck­en hin­tere­inan­der (wie eine Kette) in Files notiert – was eben der Begriff «Blockchain» bedeutet. Jede Transak­tion hat also auch eine Archivierungsadresse, die jed­er sehen kann. Das ist fälschungssich­er. Und selb­st wenn man in den Medi­en dauernd über Dieb­stäh­le hört, so sind das eigentlich nur «Enkel­trick-Betrüger», die Neulin­gen, welche die Tech­nolo­gien und Soft­ware nicht ver­ste­hen, durch bil­lige (oder fiese) Tricks den Opfern das Geld abknöpfen. Die Mel­dun­gen, dass ein Hack­er etwas stehlen kann, kommt dann einem nor­malen Banküber­fall gle­ich. Und solche Mel­dun­gen gibt’s, seit es Bargeld gibt im Wochen­takt, und oft sind auch hier Por­tale betrof­fen, die eh etwas zweifel­haft waren. Klein­er Vorteil: Wenn heute jeman­dem 20 Bit­coins gestohlen wer­den, die er vor 8 Jahren gekauft hat, dann hat er effek­tiv und real knapp 5 Franken ver­loren, wenn über­haupt. Das über­lebt man – zudem haben viele Börsen eine Deck­ung für solche Ver­luste aufge­baut. Natür­lich: Heute hätte das einen unge­fähren Gegen­wert von 185 000 Franken (Stand 15.2.2018). Aber auch ein Bild von Van Gogh war mal bil­liger.

Jede Bewe­gung wird also «gese­hen». Deswe­gen allerd­ings müssen Kryp­towährun­gen-Trans­fers auch anonym bewegt wer­den, denn das wäre etwas zu viel Trans­parenz; ver­ständlich. Zudem ist das Sys­tem wie beim nor­malen Geld: Wer ein Kon­to besitzt, muss den Gewinn ver­s­teuern, der in Geld umge­wan­delt wird. Darauf wird über­all hingewiesen. Im Ablauf ist das also genau gle­ich wie im nor­malen Aktien­han­del. Bargeld wiederum, welch­es man im Kof­fer über die Gren­ze schmuggeln kann, gibt’s nicht, und wer Kryp­towährun­gen in nor­males Geld umtauschen will, muss wieder ein Kon­to haben – bei ein­er Bank. In bar kriegt man das eigentlich nicht direkt umge­wan­delt – auss­er in Waren­wert. Man kann manch­mal also direkt Dinge bezahlen.

Das Sys­tem Blockchain ist denn auch die neue ver­heis­sungsvolle Dampf­mas­chine, die unsere Zukun­ft verän­dern wird. Man arbeit­et zurzeit daran, auch Doku­mente über das Blockchain-Ver­fahren zu bewe­gen: offizielle Doku­mente, notarielle Beglaubi­gun­gen etc … Das wird einiges verän­dern. Die Blockchain, die Idee und das Ver­ste­hen davon, das ist Zukun­ft. Es wird schon bald nicht mehr möglich sein, ohne diese Denkweise und Tech­nik zu inte­gri­eren, Pro­jek­te zu pla­nen. Und das bedeutet auch, dass sich grundle­gende Gedanken und Wertesys­teme unser­er Gesellschaften verän­dern wer­den. Endlich!

Dies alles ist übri­gens weniger ver­rückt als unsere Finanzsys­tem von heute: Der Schweiz­er Franken ist schon längst nicht mehr an Gold gebun­den. An der let­zten Abstim­mung zu diesem The­ma, am 30. Novem­ber 2014, wurde das auch klar (mit 77,3%) abgelehnt. Und so bes­tim­men die Banken (Nation­al­banken) und die Poli­tik über den Wert, das Ver­mö­gen und den Geld­fluss. Deswe­gen wer­den Banken auch mit Steuergeld gerettet: Es ist alles Luft, aber alle glauben daran. Mein virtuelles Postkon­to hat noch nie reales Geld gese­hen. Mein Visa-Kon­to eben­so. Wenn ich mit ein­er Kred­itkarte bezahle, so funk­tion­iert das nur, weil die Insti­tute, welche sich virtuelle Geldüber­weisun­gen zus­pie­len, sich gegen­seit­ig «respek­tieren». Das ist aber dann auch schon alles. Es gibt keinen Tre­sor, in dem «mein Geld» gelagert wird, und die Geld-Postkutsche fährt auch längst nicht mehr. Wenn alle gle­ichzeit­ig zu ein­er Bank ren­nen und ihr Geld abheben wollen, wird es zum grossen Teil fehlen und das Insti­tut ist pleite. Kryp­towährungs­börsen zahlen keine Zin­sen – für solche Zugewinne ist der Han­del zuständig und die Trans­fer­ge­bühren sind nor­maler­weise ger­ing. Bei der Post­fi­nance oder der Bank bezahle ich noch dafür, dass die mein Geld «virtuell» auf­führen. Sie tun gar nichts damit – aber ich zahle dafür, dass ich sel­ber mein Kon­to pflege, Geld ein- und auszahle usw.
Logisch, haben die Finanzin­sti­tu­tio­nen kein Inter­esse daran, den Gold­e­sel kampf­los aufzugeben. Man muss sich das wirk­lich vorstellen: Die Finanzwelt ver­di­ent das Geld nur durch nichts und baut sich sel­ber virtuelle Kon­struk­te, mit denen sie noch mehr Geld ver­di­ent. Solange alles daran glaubt! Und das kann ja dur­chaus mal danebenge­hen – wie beim grossen Crash im Jahr 2008. Die Ser­vice­tools, die man den Kun­den «zur Ver­fü­gung» stellt, beispiel­sweise für das Inter­net-Bank­ing, sind zum Teil hoff­nungs­los ver­al­tet. Investiert wird in der Finanzbrache vor allem in Sys­teme, welche ihr sel­ber Geld und damit Gewinn ein­brin­gen. Und wir Kun­den bezahlen dafür.

Neue Wege: Die meis­ten Kryp­towährun­gen – ausgenom­men Bit­coin, als ältestes Währung­spro­jekt funk­tion­iert es da anders – sind mit ein­er Stiftung, mit Soft­warelö­sun­gen, mit tech­nol­o­gis­chen Pro­jek­ten ver­bun­den. Da existiert also dur­chaus ein «Gegen­wert» – im Gegen­satz zum nor­malen Geld. Wer sich für Kryp­towährun­gen inter­essiert und diese kauft, finanziert damit eigentlich ein Pro­jekt. Per­fekt daran ist, dass man durch diese Art von neustem Crowd­fund­ing, diese ähn­liche Art von Aktien und Mitbe­sitzer­tum ohne Besitz, keine wesentliche Ver­ant­wor­tung trägt. Allerd­ings ist auch klar, dass wir hier keine ein­deutige Währung haben, son­dern eine Art Han­del­swert, den man AUCH als Währung brauchen kann. Ger­ade die Banken wis­sen das, wer­den aber nicht hin­ste­hen und rufen: «Hey, wir haben eine neue Goldad­er gefun­den!» Es ist ger­adezu auf­fäl­lig, wie sich die Finanzin­sti­tu­tio­nen und Staat­en winden, den Kryp­towährun­gen die Legal­ität absprechen wollen, aber alle sel­ber irgend­wie mit­mis­chen. Venezuela: Die haben sich sog­ar erdreis­tet, sel­ber eine Kryprowährung zu schaf­fen, um den Staat­shaushalt zu ret­ten. Das kön­nte funk­tion­ieren, das sagen viele Experten. Geld ist seit über 100 Jahren nur eine Def­i­n­i­tion von Wert. Wir haben schon lange keine Gold­münzen mehr, und dass die Werte zer­fall­en, wis­sen wir schon längst. Ein «Wert an sich» wird immer mehr zur indi­vidu­ellen Def­i­n­i­tion, so wie fast alles nur noch vom Indi­vidu­um, der Ich-AG abhängig definiert wird.

Und jet­zt kommt eine weit­ere Irri­ta­tion: Viele dieser Kryp­to-Pro­jek­te sind im Bere­ich Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien, Trans­fer­tech­nolo­gien, welche wiederum die Banken kaufen und ver­wen­den. Also genau jene Branche, die sich ver­meintlich gegen diese Währun­gen stellt. Das macht eine Reg­ulierung so kom­plex – wobei ja nichts wirk­lich neu ist, ein­fach neu zusam­menge­set­zt. Die Frage: Muss man wirk­lich reg­ulieren? Wer für ein Kun­sto­b­jekt Geld bezahlt, wird ja auch nicht reg­uliert – und Kun­st kann auch als eine Art Han­del­swert gese­hen wer­den und wird als Ver­mö­gen­san­lage akzep­tiert. Dass auf die Gewinne Steuern bezahlt wer­den sollen, darin sind sich ja eigentlich fast alle einig. Kryp­towährun­gen sind aus mein­er Sicht kein gross­es poli­tis­ches The­ma und keines der Finan­za­uf­sichts­be­hörde – ok, zumin­d­est teil­weise. Es wird an den Gericht­en liegen, zu beurteilen, ob Kryp­tos oder der Han­del und Besitz von Par­al­lel­währun­gen legal sind. Bis dahin kann man nur mut­massen und Gerüchte in die Welt set­zen. Die Börsen, die im Jan­u­ar im asi­atis­chen Raum geschlossen wur­den, wur­den wegen Steuer­hin­terziehung angeklagt, nicht wegen ille­galen Kryp­towährun­gen. Das machen die Russen auch immer, wenn ihnen ein Poli­tik­er oder eine Fir­ma in die Quere kommt. Doch so lange sind Reg­u­la­tion­swün­sche auf dün­nem Eis, sehr dün­nem Eis.
Unter diesen Aspek­ten wird auch ver­ständlich, warum sich die neg­a­tiv­en Schlagzeilen über­schla­gen: In den let­zten Monat­en haben die Banken und Natio­nen ver­standen, dass sie diese Entwick­lung unter­schätzt haben. Die Hek­tik zeigt, wie unvor­bere­it­et man auf den Erfolg war und ist. Der Bun­desrat kam 2014 in einem Bericht zum Schluss, dass solche Währun­gen nur mar­ginale wirtschaftliche Bedeu­tung hät­ten. Ausser­dem bewe­gen sich diese schon heute nicht im rechts­freien Raum. Im August 2017 meinte Bun­desrat Johann Schnei­der-Ammann bei einem Besuch des «Cryp­to Val­ley» in Zug: «Wir wollen nicht, dass gute Ideen nach Kali­fornien abwan­dern. Wir brauchen einen Men­tal­itätswan­del in diesem Land. Wir brauchen mehr Mut», betonte er. Im Sep­tem­ber allerd­ings tat der Bun­desrat bere­its seinen Willen kund, dass virtuelle Währun­gen wie Bit­coin geset­zlich bess­er geregelt wer­den müssen. Zusam­men mit der Fin­ma, der Eid­genös­sis­chen Finanz­mark­tauf­sicht, will man hier Lösun­gen find­en. Allerd­ings wird das nur eine Lösung aus der Sicht der bish­eri­gen Macht­trägerIn­nen. Doch Kryp­towährun­gen wur­den genau gegen diese Struk­turen erdacht. Das kön­nte also etwas kom­pliziert wer­den.

Eben­falls im Jahr 2014 machte die Bank Von­to­bel gross Wer­bung, dass man in Bit­coins investieren solle. An einem Kun­den­event im Hotel Belle­vue in Bern, ich war in Vertre­tung ein­er ihrer Kun­den dort, wur­den uns die enor­men Poten­ziale vorgestellt und davon geschwärmt. Das eher ältere Pub­likum blieb unsich­er, aber ruhig und still. Es war klar, dass dieses Speku­la­tion­sob­jekt viel Mut abver­lan­gen würde – denn sich­er war Bit­coin noch lange nicht. Die Skep­sis war gross und man wusste sehr wenig über die Idee dahin­ter. Die Bank machte Wer­bung für Gewinne – nicht mit der Philoso­phie und Tech­nik dahin­ter. Ein gross­er Fehler. Aber bil­lig waren sie, die Bit­coins. Und auch im Dezem­ber 2018 ging die Bank Von­to­bel den Kun­den im Han­del mit Bit­coins zur Hand. Das hat mit Überzeu­gung zu tun.
Auch Lar­ry Fink, der Chef von Black Rock, ein­er der grössten Finanz­drehscheiben der Welt (gröss­er als die Wall Street), bekan­nte sich im Okto­ber 2017 noch als gross­er Fan von Kryp­towährun­gen – musste allerd­ings kurz danach offiziell etwas leis­ertreten, weil die Bankenge­meinde motzte. Ver­ständlich: Mit Kryp­towährun­gen kann man Banken aushe­beln. Nicht aber Black Rock: Denen gehören fast alle wichti­gen Fir­men weltweit zu 3 % und sie haben auch das Kap­i­tal, sich lock­er in diesen dig­i­tal­en Märk­ten einzukaufen und sehr viel Geld zu ver­di­enen. Es wäre ver­wun­der­lich, wenn Black Rock momen­tan nicht die Märk­te testen und mit gross angelegten Kam­pag­nen die Sta­bil­ität prüfen würde. Es würde jet­zt auch nicht auf­fall­en, wenn so viel Unruhe herrschte. Auch Ray­mond Bär, ehe­ma­liger Ver­wal­tungsrat­spräsi­dent der Bank Julius Bär, sitzt im Ver­wal­tungsrat des Schweiz­er Unternehmens Cryp­to Finance in Zug. Die Swiss­com wiederum forscht seit 2015 an der Tech­nolo­gie und hat im let­zten Sep­tem­ber die Swiss­com Blockchain AG gegrün­det und arbeit­et konkret an einem Han­del­sreg­is­ter-Pro­jekt. Das klingt erst mal noch nett – doch geht es mit ein­er solchen Lösung eben­so um Grund­buchein­träge, notariell beglaubigte Doku­mente, Heimatscheine und über­haupt öffentliche Ver­trauenspa­piere. Bezüglich Kryp­to-Börsen hat die Schweiz ein­er Vor­re­it­er­rolle ein­genom­men: Die Westschweiz­er Trad­ing-Bank Swis­squote war im Juli 2017 die erste europäis­che Online-Bank, die den Han­del mit Bit­coins lancierte.
Das sind nur ein paar Beispiele. Damit will ich zeigen, dass die Kryp­towährun­gen und deren Tech­nolo­gien bere­its im Geschäft­sall­t­ag inte­gri­ert sind. Die Blockchain-Tech­nolo­gie kann man nicht mehr ver­bi­eten – die ist da. Den Han­del mit diesen Währun­gen kann man kaum noch unterbinden, zu viele beste­hende Finanzprak­tiken wür­den in Mitlei­den­schaft gezo­gen: Man ken­nt in der Schweiz Par­al­lel­währun­gen schon lange: die WIR-Bank oder die Reka-Schecks. Kryp­towährun­gen sind nichts anderes – heute ein­fach von viel mehr Men­schen anerkan­nt und mit ca. 1300 ver­schiede­nen Währun­gen weltweit ein riesiges Tum­melfeld. Dazu: Börsen, welche Kryp­towährun­gen han­deln, ste­hen schon längst unter ein­er Kon­trolle. Natür­lich kann man noch an der Sicher­heit arbeit­en, vor allem was diese Trick­be­trügereien ange­ht. Aber die Gier nach mehr wird kaum einzudäm­men sein, und die tech­nol­o­gis­chen Sys­teme dahin­ter sind genial.

Und jet­zt? Alles kryp­tisch oder was? Nie­mand muss in Kryp­towährun­gen investieren, es gibt dazu keinen Grund. Wer bish­er nichts mit Aktien­han­del zu tun haben wollte, sollte vielle­icht bess­er auch nicht mit­spie­len. Es kann sehr stür­misch wer­den, aber es ist span­nend, über diese Blockchain-Tech­nik nach- und weit­erzu­denken und die Entwick­lun­gen zu ver­fol­gen. Die näch­ste Gen­er­a­tion von Kryp­towährun­gen wird auch schon bald erfun­den sein. Und um den grossen Gewinn geht es ja eigentlich nicht. Höch­stens um die Men­schheit.

 


Natür­lich ist das keine Anleitung für Investi­tion­stätigkeit­en, und der Autor dis­tanziert sich auch von jeglich­er Auf­forderung. Wer auf­grund dieses Artikels in Kryp­towährun­gen investiert, trägt jede Ver­ant­wor­tung sel­ber. Der Autor ist nicht ver­ant­wortlich für Gewinne oder Ver­luste aus solchen Geschäften. Im Gegen­teil: Nehmen Sie die War­nung auch zur Ken­nt­nis und passen Sie auf! Wo Geld ist, hat es BetrügerIn­nen, die Ihnen nichts gön­nen wer­den.

FacebooktwitterlinkedinFacebooktwitterlinkedin
Artikel online veröffentlicht: 21. März 2018 – aktualisiert am 4. April 2018