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laStaempflis Kulturjahr 2018

Dezember: 100 Jahre Frauenwahl&Stimmrecht

Tote mutige Frauen werden verehrt, lebende am liebsten immer noch verbrannt. Zwar benutzt man heutzutage keine Scheiterhaufen mehr: Es genügen ein paar Medien-Männerrudel mit keifenden Antiheldinnen an ihrer Seite, um die wirklich grossen Frauenfiguren der Gegenwart zum Verstummen zu bringen. Nächstes Jahr wird meine (von Trolls copypaste-geprüften) Dissertation zur “strategischen Synthese von Geschlecht in Krieg und Politik” 20 Jahre alt. Ebenso ein Grund zu feiern wie heuer das 100jährige Frauenstimm- und wahlrecht, das in der Schweiz 2021 halb so alt werden wird.

Wohl deshalb wurden die “Jubiläen”1918 in der Schweiz ausschliesslich von Männern dirigiert, falsch narratiert und sexistisch kuratiert. Die Ausstellung “1968” war ein missglücktes Kunstspektakel der spektakulär entpolitisierten Art. Auch der “Generalstreik von 1918” spielt im Nationalmuseum die Rolle einer Kunstaktion, bestehend aus geilen Plakaten, beeindruckenden schwarz-weiss Bildern und lächerlichen Militärs (die damals nie Anlass zum Lachen boten).

Da war es sehr wohltuend, eine ganz klassische und informative Ausstellung zu 100 Jahre Wahl- und Stimmrecht in Irland zu besuchen. Frauen waren im Mittelpunkt, die Demokratie damit auch, Mode wurde nicht als Kunst, sondern im Zuge des Wandels interpretiert: Alles ohne Schnörkel, ohne Pathos, doch mit vielen Einblicken in die Komplexität von Frauenhass und Frauenbefreiung.

Die Ausstellung “Women in Politics and Public Life, from 1918 to 2018” ist noch bis 3. Februar 2019 in Dublin Castle zu sehen.

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November: Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures

Das Jahr 2018 bot viel Vergnügliches – mal abgesehen von der Politik. Darunter befand sich die Ausstellung von Wes Anderson im Kunsthistorischen Museum in Wien. Der Filmemacher Anderson verzaubert die Welt mit wunderbar verschachtelten Assoziationen. Der deutsche TAGESSPIEGEL meinte über “The Grand Budapest Hotel”: “Auf nach Fantasistan!” Dabei sind es nicht einfach Fantastereien, die Wes Anderson zu bewegten Bildern macht, sondern diese untrüglich kluge Kombination von Spiel, Wirklichkeit und neuer Erzählung. Nun durfte er auch ein paar Museumsräume auf Träume setzen. Das “Futteral für den Säbel Karls des Grossen” hat darin ebenso Platz wie mein Lieblingsexponat, das dem Kuratoren Anderson zum Titel seiner 400 Dinge verhalf: Der gepflegte Spitzmaus-Sarg, der von nun an eigentlich in jede Kunstsammlung gehört.

Die Arbeit von Wes Anderson als Kurator ist noch bis am 28. April 2018 zu sehen.

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Oktober: “House of European History”

Aus meinen Brüsseler Tagen pflege ich zauberhafte Freundschaften, die zu regelmässigen Besuchen in die europäische Hauptstadt führen, wo ich gleichzeitig Beruf und Liebe verbinden kann. Die Natur der Visiten ist meist politischer oder privater Natur, weshalb für Ausstellungen nur wenig Zeit bleibt, was eine Schande ist, denn Bruxelles glänzt mit exzellenten Museen.

Deshalb war meine Freude umso grösser, endlich eine exklusive Führung durch das “House of European History” zu kriegen, in dem Gebäude, das lange Jahre die Krippe für den krabbelnden EU-Nachwuchs beherbergte. Die Ausstellung zur europäischen Geschichte ist ausserordentlich klug kuratiert – man bedenke: Europa hat es geschafft, sich auf vielerlei Narrative so zu einigen, dass Demokratie und Menschenrechte im Mittelpunkt stehen.  Die “Vortex of History” ist aus Stahl und Aluminium gebaut und verbindet als “Wortwirbel” höchst eindrücklich und kunstvoll alle Stockwerke miteinander. Getragen wird dies alles von einem Schweizer. Adolf Muschg verziert mit einem Zitat den ganzen obersten Stock: “Was Europa zusammenhält und was es trennt, ist das gemeinsame Gedächtnis.”

Das Erstaunen und der Unglaube der Gruppe war gross als ich darauf hinwies, dass Adolf Muschg und ich denselben Pass besässen. Die meisten tippten auf Österreicher. Doch als Eine, die den Satz “Die Verschweizerung Europas” geprägt hat, meinte ich nur trocken: “Was Europa zusammenhält und was es trennt, liegt in der Schweiz.” Zudem: Die Europäische Bürgerinitiative, The European Citizen Initiative,  wurde auch von einer Schweizerin erfunden. Es war die Politologin Regula Stämpfli, die der Europäischen Bürgerinitiative nicht nur zum Namen, sondern auch zur Struktur der europäischen Bürgerbegehren verhalf. Doch es werden mit Bestimmtheit Schweizer Männer sein (sie werkeln schon heftig daran), die dafür sorgen, dass auch in künftigen Wortwirbeln die Frauennamen möglichst unsichtbar gemacht werden.

Das Haus der Europäischen Geschichte ist jeden Tag geöffnet und nur am 1. Januar, 1. Mai, 1. November und am 24.&25.&31. Dezember geschlossen.

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September: The Design Museum London

Wie war ich traurig als ich vernahm, dass das Design Museum in London seinen Standort wechseln würde! Statt mit meinen Kindern wie üblich den Besuch der Tower-Bridge mit Form und den klassischen orangen Stühlen im Designmuseum an der Themse zu konterkarikieren, war dieses Jahr das mondäne, gentrifizierte Kensington angesagt. Vier Jahre hat der Umbau des historischen Gebäudes gedauert und über 97 Millionen Euro gekostet. Schön ist alles geworden. Wirklich gut gemacht und trotzdem: Dem verwaisten Museum für Gestaltung in Zürich nicht unähnlich, fehlt dem neuen Design-Museum der Groove von Gestaltung, die noch nach Handwerk und nicht nur nach Markt riecht.

Mein “Designing Politics. The Politics of Design” – aus meiner Zeit des Internationalen Forums für Gestaltung – kam indessen trotzdem nicht zu kurz. Die Londoner U-Bahn ist als entscheidende Etappe in “Form follows Function” ebenso aufgeführt wie Margarete Schütte-Lihotzkys grossartige “Frankfurter Küche”.  Die gibt es sogar in Original-Nachbau in London. Grete Schütte-Lihotzky war bis zu ihrem Lebensende eine mutige, engagierte Antifaschistin und Feministin. Sie lehnte 1988 das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst durch Bundespräsidenten Waldheim aufgrund dessen nationalsozialistischer Vergangenheit ab. Sie klagte 1995 Jörg Haider nach einem rassistisch motivierten Bombenattentat öffentlich an. Und sie witzelte anlässlich ihres 100. Geburtstages: “Ich würde es genossen haben, ein Haus für einen reichen Mann zu entwerfen.”

Das Londoner Designmuseum ist jeden Tag von 10 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Dauerausstellung ist gratis.

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August: Das Trojanisches Pferd von Iphofen

Als Auftakt zu unseren alljährlichen Griechenlandferien, die ich seit 10 Jahren dazu benutze an meinem unfinished Drama weiterzuschreiben, fuhren wir zum Marktplatz in Iphofen, Landkreis Kitzingen, irgendwo in Bayern, Deutschland. Alte Cineasten müssen sich meine Kulturreisen je länger je mehr wie “Out of Rosenheim” vorstellen. Ich muss nur aufpassen, dass ich mit den Jahren nicht auch noch Marianne Sägebrechts Körpermasse annehme. Sechs Meter hoch, vier Tonnen schwer und komplett aus Holz. Da steht es, das Trojanische Pferd von Iphofen. Es ist Teil der Sonderausstellung zu “Heinrich Schliemann”, der ja nur aufgrund von Text und Abenteuerwillen Homer zu archäologischen und nicht nur zu poetischen Ehren verhalf. Die Ilias gehört nach wie vor zu den Weltwundern der Literatur – zeitgenössisch am besten nachzuhören bei Raoul Schrott.

Das kleine Knauf-Museum zeigte über 150 Exponate der Troja-Grabung von Heinrich Schliemann: Viele Gefässe aus Gold, Silber und ein Grossteil des sogenannten Priamos-Schatzes. Die Originale liegen im Puschikin-Museum in Moskau: Der Zweite Weltkrieg lässt auch bei der Geschichte des Altertums grüssen. Allen Unkenrufen der “echten” Archäologen zum Trotz (die in Heinrich Schliemann immer noch den Stümper vermuten), zeigt das Museum den Homer-Enthusiasten als ausserordentlich gebildeten Mann: 14 Sprachen beherrschte der Autodidakt. Diese verhinderten jedoch nicht, dass er seine sensationellen Funde zeitweise mit äusserst brachialen Grabungsmethoden aus der Poesie und dem Mythos ins Licht der realen Türkei beförderte.

Die Ausstellung “Heinrich Schliemann in Troja” endete am 2.1..2018. Das Trojanische Pferd von Iphofen wurde von einer Software-Firma für eine fünfstellige Summe gekauft: Trojaner sind schliesslich schon längst digital.

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Juli: Unvollendet: Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt

Der Abgabetermin war Ende Januar 2018. “Mit dieser Art (Kunst), dass es keine Argumente mehr braucht, um zu regieren, stellte Donald Trump selbst Barack Obama in den Schatten. Die Klickraten-Fixation zeigt, wie sehr sich die klassische Demokratie zur reinen Inszenierung gewandelt hat: Experten, Journalisten und Umfragen verkaufen Images – nicht zuletzt von sich selbst.” Dies schrieb ich Ende Juli, fünf Monate bevor der Schönschreiber Relotius unter dem Geschrei der Mainstream-Journis als Märchenerzähler entlarvt wurde. Und es galt immer noch drei weitere Kapitel zu schreiben! Ende August sollte es dann soweit sein. Der Verleger ein Engel, der Verlag, klein und fein, das Idiom “Münster” vertraut und das Sachbuch wiederum zehn Jahre zu früh. Doch zur Frankfurter Buchmesse war alles heiter und fein. “Ideologie, Sprache, Referenzen und Emblemen zu gehorchen, die in der jeweiligen Gesellschaft für “wahr”, “richtig” und “wichtig” gehalten werden, ist noch lange kein Debattieren. Was die Maschinen gewinnen lässt, sind nicht deren überzeugenderen Argumente, sondern nur Fakten und rhetorische Tricks.”

Wann Quoten, Hitlisten und Klicks über den Wert von Information entscheiden, kann in Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt nachgelesen und verstanden werden. In jeder Buchhandlung erhältlich: 2019 auch in französisch und englisch.

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Juni: refaire le monde

Die Aussenposition verbinden Gianni Motti, mich und viele der hier Lesenden. EX-POSITION füllte das Helmhaus in Zürich: Vom 18. Mai bis 17. Juni. Die Welt neu machen, wie würde sich dies wohl anfühlen, wie würde uns die Welt anschauen und wir in sie hinein?

Gianni Motti fertigte aus dem abgesaugten Körperfett von Silvio Berlusconi ein Stück Seife an – für mich ein wunderbares Zeitdokument für die herrschende Biopolitik und meine Arbeit am Projekt “Menschen essen”. Die Ausstellung im Helmhaus hätte bessere Gespräche, Politphilosophie-Podien und Medienspektakel verdient. Die NZZ titelte: “Enfant terrible Gianni Motti geht im Helmhaus aufs Ganze”: Doch die grosse Auseinandersetzung fehlte leider. Welch grosser Unterschied zu 2008 als Motti kurzerhand ein Minarett auf das Dach des örtlichen Kunsthauses setzte! Leserbriefe, ein zutiefst erboster Stadtpräsident und Medienberichte waren die Folge. 2006 setzte die Schweizerin Fleur Stoecklin auch Minarette in Düsseldorf hin: “Aggression” nannte sie ihre Installation. Die Minarette hatten die Form von Raketen und überlebten den Proteststurm nur wenige Tage.

Im Helmhaus dominierten Zäune und Pflastersteine – uneben, so dass jedes freie sich bewegen massiv eingeschränkt wurde. Motti durfte im Helmhaus die Welt nicht neu machen, doch seine Kunst ganz anders und stiller, deshalb nicht weniger eindrücklich “refaire”.

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Mai: Swissmaid und Macht Liebe!

Frauen – die ungeschriebene Geschichte. Margrit v. Zinggeler ist seit 1999 Professorin für Germanistik an der Universität von Michigan. Sie ist Autorin mehrerer Standardwerke und stellte im Mai 2018, auf Einladung von Patrizia Mordini, Syndicom, ihr bemerkenswertes Buch “Swiss Maid. The Untold Story of Women ´s Contributions to Switzerland ´s Success” in Bern vor. Es wurde ein kleiner, feiner, kluger Abend mit der SP-Ständerätin Anita Fetz und Margrit v. Zinggeler unter der Gesprächsleitung von mir. Das Wortspiel Swiss Made und Swiss Maid ist beabsichtigt, da phonetisch der Unterschied marginal ist. Swiss made kommt einem Label gleich und steht für hohe Produktqualität, Swiss Maid steht für die Schweizer Magd. Zinggeler zeigt einmal mehr, wie entscheidend die klassischen Bürgerrechte für Frauen sind: “Den Frauen in der Schweiz wurde 1971 endlich nicht nur die Zunge, sondern auch die Feder gelöst.”

Zinggeler belegt in ihrem Buch, wie hinterhältig das Wirtschaftswunder Schweiz auf rein männliche Eigenschaften und Qualitäten reduziert würde: Dabei waren es vorwiegend die Frauen und ihre Kinder in der Textilindustrie, die dem Land eine Protoindustrialisierung ermöglichte: Swiss made halt.

Der Einsatz der Schweizer Frauen wird bis heute von allen Seiten runtergespielt, abgewertet, verschwiegen oder mit Absicht gegen noch lebende Frauen verdreht (“Frauenbewegung als weisse Eliteveranstaltung” wie dies die Gendertheoretisierenden gerne rausposaunen). Das Buch von Margrit V. Zinggeler ist das beste Gegenmittel zu derart irren, ahistorischen und entpolitisierten Positionen.

Es kommt noch etwas hinzu: Unter den Gästen befand sich der Theatermacher, Schauspieler und Comedian Diego Valsecchi. Er konzipierte mit seinem Bühnenpartner Pascal Nater ein zauberhaftes Stück: Macht Liebe! Soviel Klugheit, Witz, Charme, Welt- und Frauengeschichte kommen selten zusammen, was zeigt: Kultur ist immer dort wahr, wo man sie gar nicht wirklich vermutet. An einem spannenden Abend zur Frauengeschichte im Hotel Bern im schönen Monat Mai 2018.

Das Programm “Macht Liebe”  ist am 12.1.2019 in Roggwil, am 1.3. 2019 in Aarau, am 15.3.2019 in Langenthal und an vielen anderen Terminen in der ganzen Schweiz (alle Theater: Unbedingt buchen! Ein besseres politisches Programm mit Witz, Charme und Können gibt es momentan nicht) auf Tour.

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April: Bauhaus in Tel Aviv

Israel darf man unter Intellektuellen weder in der Schweiz noch in Deutschland mit Namen nennen. Wenn ich von meinen Reisen in dieses Land berichte, werde ich beschimpft und muss mir dann stundenlanges Gezeter über das “Apartheitssytem” anhören von Leuten, die ihren Antirassismus gerne mit dem Wohlwollen gegenüber der Burka zum Ausdruck bringen. Sage ich hingegen: “Tel Aviv” beginnen die Gesichter zu leuchten, die Schwulen schwärmen von den genialsten Clubs, die Lesben von den schönsten Menschen und die Cisirgendwas vom besten Food der Welt. Gestalter zaubern die Weisse Stadt als Bauhaus-Symbol hervor, ohne zu wissen, dass es in Israel wegen den von der Linken so verehrten “netten” Raketenwerfern next door kaum Denkmalschutz und staatliches Geld gegen den Verfall der alten Bauhaus-Stadt gibt. Tel Aviv ist die modernste, urbanste und weltfreieste Stadt auf der ganzen Welt – sie sieht je nach Kriegs- und Wirtschaftslage auch entsprechend so aus. Wer wissen will, was Zukunft ist, ist in Tel Aviv mit allem gut bedient: Sowohl im positiven wie auch im negativen. Zeige ich die Skyline von Tel Aviv schreien alle “Manhatten” und ich antworte nur mit “Shalom”.

Das Bauhaus-Center in Tel Aviv wird übrigens von einem Schweizer geleitet. Es liegt in der besten Kaufstrasse von Tel Aviv, offeriert die zauberhaftesten Goodies zum Nachhausebringen und ist von einer derart befreienden Bescheidenheit, dass man die engen Treppen ständig rauf- und runtertanzen möchte.

Das Bauhaus Center in Tel Aviv ist Shop und Museum zugleich und zu normalen Öffnungszeiten “besuchbar”.

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März: Der Scharfrichter von Mosbach

Der Beruf des Scharfrichters etablierte sich im deutschsprachigen Raum ungefähr im 13. Jahrhundert und lässt sich mit der Folter als prozessuales Beweismittel in Zusammenhang bringen. So brutal dies auch alles klingen mag: Vielen Historikern gilt die Einführung des Henkers, der Folter und der grausamen Beweisführung als Beginn des europäischen Rechtsstaates. Nur Barbaren, Meuterer, Gesetzeslose – die IS-Idioten lassen grüssen  - richten nach Lust und Laune hin. Hierarchien, staatliche Autoritäten und auf Legitimation ausgerichtete Herrscher brauchen irgendeine Art von Beweisführung: die reicht eben von der Folter bis in die Neuzeit zum Waterboarding. Alles andere als lustige Themen. Der Beruf des Scharfrichters war eine Tätigkeit am Rande der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Der einzige Vorteil bestand in relativer materieller Sicherheit. Meist waren die Scharfrichter auch Wundärzte, da sie aufgrund ihrer Folter- und Kopfabtätigkeit über präzise anatomische Kenntnisse verfügten. Wie nah Folter und Ärzteberuf einander einmal waren und angesichts der illegalen Organtransfers, der Pfuscherei bei Krebsmedikamenten oder auch der Abtreibungsindustrie von weiblichen Föten immer noch sind, wird gerne verdrängt.

Das Foto wurde im März in Mosbach am Neckar, wo ich regelmässig zu Besuch bin, aufgenommen. Eine ehemals blühende Stadt, der die Banalität der kapitalistischen Gierwirtschaft in den letzten Jahren leider arg zugesetzt hat.

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Februar: Basel. Fondation Beyeler. Ohne Worte.

Basel. Tinguely Museum. Zitat.

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Januar: Kiki Smith

Das Münchner Haus der Kunst kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Leider nicht wegen der Kunst, sondern wegen Korruption, Fehlmanagement, Scientology und Bäumen, die unter keinen Umständen gefällt werden sollten. All dies war im Januar 2018 noch nicht bekannt. So konnten die Bünzli-Bayern die weitsichtige und weltläufige Ausstellung der grossartigen Kiki Smith bewundern. Well, es waren wie üblich vor allem die Touristen, die kamen, da Kunst in Bayern wie in Zürich oft nur noch Medien- und kaum Besuchsereignis ist.

Lilith war dem Talmud zufolge die erste Frau von Adam. Sie war ihm völlig gleichberechtigt, was diesem nicht passte. Als Adam sie gefügig machen wollte, verweigerte sie sich und flog einfach davon. Wären alle Frauen Lilith, #MeToo wäre ein Hashtag geblieben. Doch leider ging die Geschichte unglücklich weiter… bis Kiki Smith kam. Sie lässt das wilde Weib leben, sie zeigt die Frau verletztlich, sie nimmt der unbefleckten Heiligen die Mythologisierung, sie macht all das, was heutzutage die jungen Frauen, die sich am liebsten selber verkaufen statt in Solidarität mit fetter Weiblichkeit zu leben, bis auf ihre mageren Knochen erschreckt. Kiki Smith erzählt von Natur und Kultur, ein aufgerissener Bauch eines Wolfes gebiert die Frau. 1995 vergiftete eine Pestizidwolke in New Jersey unzählige Vögel: Kiki Smith setzte ihnen ein Denkmal. Ach: Möchte doch die Welt mit Kiki Smith verschmelzen! Sie wäre ein ehrlicherer und lebenswerterer Ort.

Bild: siehe links (Grossbild)

Die Bilder sind alle von Regula Stämpfli und unterliegen dem Copyright von Regula Stämpfli.

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Artikel online veröffentlicht: 3. Januar 2019 – aktualisiert am 4. Februar 2019