Mittwoch, März 25, 2020

«Le Consentement» und «14 juillet»: Vive la littérature française contemporaine

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Éric Vuil­lard schildert in seinem Roman «14. Juli» die Namenslosen, die dem Schafott und auch der Geschichtss­chrei­bung entron­nen sind. Es ist ein fabel­hafter Roman. Schlicht bril­lant. Bevor ich indessen auf die Ereignisse rund um die Franzö­sis­che Rev­o­lu­tion einge­he, lassen Sie mich ein wenig aus­holen.

Wäre Europa ver­dammt, nur noch in …

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Dienstag, März 24, 2020

Blutsbande: Die Schrift gegen den Untergang des Abendlandes

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Das Blut sei kein «beson­der­er Saft» – wenn man Christi­na von Braun glauben will. Ihr 537-seit­iges Werk von 2018 titelt sie trotz­dem «Bluts­bande. Ver­wandtschaft als Kul­turgeschichte». Dies ist gar nicht so para­dox, wie es klingt. Vor allem wenn man unter «Blut» tat­säch­lich NUR den biol­o­gis­chen Saft meint. Dieser ist näm­lich …

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Montag, März 23, 2020

Die Welt und sich verstehen

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Grosse Autorin­nen schreiben Tage­buch. Da kon­trol­liert, kor­rigiert, klugscheis­sert nie­mand; der weib­liche Geist ist unüblich frei. Kaf­ka führte Tage­buch, Susan Son­tag auch, Han­nah Arendt schrieb Briefe und alle drei übten sich wieder und wieder darin, sich sel­ber in der Welt, in die sie gewor­fen wur­den, zu situ­ieren. Und zwar für alle …

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Montag, März 23, 2020

Die Theatererfinderin

Wer Sehge­wohn­heit­en verän­dert, durch­bricht die Blind­spi­rale. Eine Weiber­fik­tion von Gueril­la Girl Dr. Reg­u­la Stämpfli: Inter­view mit der neuen The­a­ter­di­rek­torin des Peri­o­denthe­aters in München, Deutschvul­va:

Von Chris­t­ian Muster – Die neue Chefin des führen­den Münch­n­er Peri­o­denthe­aters im Gespräch zum Beginn ihrer Inten­danz.

Andrea Beck­en sitzt im von ihrer Vorgän­gerin äusserst lux­u­riös ein­gerichteten Inten­dan­tinnen­büro. Dieses umfasst ein

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Montag, Februar 24, 2020

Weltgeschichte im deutschen Kleingeist: Mengele

Von Reg­u­la Stämpfli — Wenn wir die Geschichte nicht wieder und wieder ver­han­deln, verkom­men wir zu apoli­tis­chen Appa­rat­en. Oliv­er Guez hat mit dem „Das Ver­schwinden des Josef Men­gele“ einen pack­enden Kri­mi über den Lager­arzt von Auschwitz geschrieben.

Der Roman gibt einen Ein­blick in die urdeutsche Gemütlichkeit der nach Südameri­ka geflo­henen Nation­al­sozial­is­ten. Atem­ber­aubend gibt uns Guez …

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Montag, Februar 10, 2020

Shakespeare in Seoul

Von Reg­u­la Stämpfli - «Par­a­site» ist umw­er­fende Kun­st. Der Film aus Süd­ko­rea ist nicht nur das erste nicht-englis­chsprachige Werk, das mit «Best Film» bei den Oscars 2020 aus­geze­ich­net wurde, son­dern schlicht drastisch gut. Die sub­ver­sive Sto­ry, ikono­graphis­che Kör­per­wucht, heftige Direk­t­szenen und Über­raschung ohne Ende zeich­nen «Par­a­site» aus. Aus Süd­ko­rea stam­men schon längst Streifen für Lieb­haberin­nen …

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Dienstag, Januar 28, 2020

laStaempflis Kulturjahr 2019

Januar: Skifahren eine aussterbende Kulturtechnik

Früher gehörte Ski­fahren zur Schweiz wie die Toblerone nach Bern. Doch die Mat­ter­horn­schog­gi ging zu einem US-Grosskonz­ern, aus der ehe­ma­li­gen Fab­rik wurde das „Tobler-Are­al“ für die Uni. Ski­lager in Schweiz­er Schulen sind auch eine Rar­ität gewor­den, meist fall­en sie dem Rot­s­tift zu Opfer. Heute sind es Kinder mit Migra­tionsh­in­ter­grund, die …

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Freitag, Dezember 27, 2019

Über die Maschinenwerdung des Menschen

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Seit Jahren analysiere ich den «Ver­lust der Wirk­lichkeit» und die «Algo­rith­misierung der Welt». Seit über fün­fzehn Jahren sehe ich mich deshalb Dif­famierungskam­pag­nen aus­ge­set­zt, die übri­gens typ­isch sind für einen Män­ner­mob (mit seinen schrillen Tus­si-Unter­stützerin­nen), der sich im Netz rumtreibt. Misog­y­ne Täter, deren tech­nis­che Inno­va­tio­nen in erster Lin­ie Macht, Rache und …

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Freitag, Dezember 27, 2019

Catch Me If You Can: Claas Relotius und der Fall Harvey Weinstein

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli — Dem Feuil­leton ist nichts aufge­fall­en. Dabei ist die Ähn­lichkeit verblüf­fend. Ronan Far­row hat das für die amerikanis­che Pres­se­land­schaft wichtig­ste Buch «Catch and Kill» über seine Recherchen zu Wein­stein, Kor­rup­tion und Medi­en­skan­dale geschrieben. Juan Moreno erk­lärt in «Tausend Zeilen Lüge» das «Sys­tem Relotius und den deutschen Jour­nal­is­mus». Zwei uner­lässliche, essen­zielle, medi­engewichtige

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Dienstag, November 19, 2019

Krieg: Hundert Jahre Gegenwart

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Spätestens seit der Grande Guerre gibt es keine Hof­nar­ren mehr. Seit­dem fällt das Lachen eben­so schw­er, wie die echt­en Pos­sen­re­it­er fehlen, die sich unges­traft über den König lustig machen und Wahrheit­en aussprechen kön­nen, die sich das Volk nor­maler­weise nur hin­ter vorge­hal­tener Hand zutuschelt. Oder kön­nen Sie sich einen Bajaz­zo im …

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Dienstag, November 5, 2019

Georg Büchner Preis: Dankesrede von Lukas Bärfuss

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Vier Reden von Poet­innen und Poet­en, die his­torisch sind oder es wer­den: Die Rede von Christa Wolf auf dem Alexan­der­platz vom 4. Novem­ber 1989 („Stellt Euch vor es ist Sozial­is­mus und nie­mand will weg“), Friedrich Dür­ren­matts „Die Schweiz – Ein Gefäng­nis“ von 1990 („Jed­er Gefan­gene beweist seine Frei­heit, indem er …

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Donnerstag, Oktober 31, 2019

Wie ein ALDI-Sortiment:  Robert Frank in der C/O Foundation, Amerika Haus, Berlin

Berlin ist voller Kun­stk­lerikalen, die mil­lio­nen­schwere Stiftungs- und Öffentlichkeits­gelder usurpieren. Die Kuratieren­den sehen sich qua­si als Uber-Pro­mo­toren in dieser Hip­ster-Stadt des Nich­t­en­den­wol­lens. Ich ver­bi­ete es mir eigentlich immer und tue es dann doch: Einen Besuch in der C/O Berlin Foun­da­tion. Auch dies­mal ver­mochte sie die Ent­täuschung, ja die heilige Wut auf die ich mich vor­bere­it­et …

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Mittwoch, Oktober 2, 2019

Orwell und feministische Ewigschleifen

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Stellen wir uns vor, es gäbe seit 1905 alle 20 Jahre die „neuen Rel­a­tivis­ten“ oder gar die „jun­gen Rel­a­tivis­ten“. Man spräche von den „Rel­a­tivis­ten der drit­ten oder vierten Welle“, junge, d.h. „Unter-Vierzigjährige“ wür­den durch Talk­shows tin­geln und „ihre“ Ver­sion der Rel­a­tiv­ität­s­the­o­rie verkün­den. Sie gäl­ten als Pro­voka­tion für die alten „Ein­stein­jan­er“, …

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Donnerstag, September 12, 2019

Emerenz Meier & #dichterdran

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli — Sie sei unmöglich gewe­sen, diese Emerenz Meier, so reklamiert man noch heute im bayrischen Hin­ter­wald. Die Heimat­dich­terin aus dem Bay­erischen Wald (geboren 1874, gestor­ben 1928 in Chica­go), war zu ihrer Zeit eine Berühmtheit. Sie pack­te den harten Bauer­nall­t­ag in Poe­sie und sym­bol­isierte ab 1898 in ihrer Tra­cht die selb­st­be­wusste Frau …

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Mittwoch, Juli 31, 2019

Ian McEwan: Vom Genie zum Banalschreiber

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - «Maschi­nen wie ich» ist ein fürchter­lich banales, ja dummes Werk von Ian McE­wan. Wie kon­nte er nur? Ist dies der­selbe Poet, der mit „Abbitte“ ein Jahrhun­der­twerk geschaf­fen hat? Der Mann, der das Böse der­art präzise in die 13jährige Briony packt? Seit­dem ist mein Ver­hält­nis zu weib­lichen Teenagern, das schon als …

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Mittwoch, Juli 10, 2019

Nolde in Berlin: Über das Urteilen in Kunst und Politik

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Kün­stler sind vielschichtig. Manch­mal auch Ver­brech­er. „Car­avag­gio hat gemordet. Veit Stoss hat einen Schuld­schein gefälscht, Berni­ni seine Geliebte mit einem Rasier­mess­er entstellen lassen.“ So schreibt die Süd­deutsche Zeitung in „Buch Zwei“ vom 15./16. Juni 2019. Wenig klug ist es indessen, diese Ver­brechen mit Emil Noldes üblen Anti­semitismus zur Hitlerzeit gle­ichzustellen. …

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