Sonntag, März 24, 2019

Aussergewöhnliche Zeiten brauchen aussergewöhnliche Frauen

Elif Shafak gehört zu den inspiri­erend­sten Schrift­stel­lerin­nen unser­er Zeit. Ihre Romane – Der Bas­tard von Istan­bul – lassen Wörter schmeck­en. Sie sind voller Poe­sie, Farbe, Liebe für die Men­schen, Span­nung, Tragik, Heit­erkeit und Poli­tik. Sie sind ganz anders als die existieren­den deutschsprachi­gen zeit­genös­sis­chen Werke. Völ­lig anders. Elif Shafak ist gle­ichzeit­ig eine wun­der­schöne Frau über 40, …

lesen...
Sonntag, März 17, 2019

Am Ende geht es einem doch immer um die laufenden Kosten

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Achtung, Feuil­leton­is­ten-Falle im gross­deutschsprachi­gen Raum. Machen wir zur Abwech­slung mal «Spot the dif­fer­ence“:

„Ich bin sech­sund­vierzig Jahre alt, ich heisse Paulette-Char­lotte Dubrois,
und ich has­se meinen Vor­na­men.“

„Ich bin sech­sund­vierzig Jahre alt, ich heisse Flo­rent-Claude Labrouste,
und ich has­se meinen Vor­na­men.“

Richtig.

Ersteres Werk wird als Frauen­lit­er­atur im Rat­ge­ber­bere­ich mit …

lesen...
Dienstag, Februar 12, 2019

Die Ästhetisierung des Grauens

Von Reg­u­la StämpfliTod, Konzen­tra­tionslager, Selb­st­mord und nette After-Work-Drink-Events ergeben den mor­biden Cock­tail in der von Felix Hoff­mann kuratierten Ausstel­lung “Das let­zte Bild” in Berlin. Aus­ge­hend von der irri­gen Annahme, den Tod durch das Bild zu ban­nen – dabei waren die ersten Porträts als Doku­men­ta­tion des Lebens und nicht des Ster­bens gedacht – wird …

lesen...
Donnerstag, Januar 3, 2019

laStaempflis Kulturjahr 2018

Dezember: 100 Jahre Frauenwahl&Stimmrecht

Tote mutige Frauen wer­den verehrt, lebende am lieb­sten immer noch ver­bran­nt. Zwar benutzt man heutzu­tage keine Scheit­er­haufen mehr: Es genü­gen ein paar Medi­en-Män­nerrudel mit keifend­en Anti­heldin­nen an ihrer Seite, um die wirk­lich grossen Frauen­fig­uren der Gegen­wart zum Ver­s­tum­men zu brin­gen. Näch­stes Jahr wird meine (von Trolls copy­paste-geprüften) Dis­ser­ta­tion zur “strate­gis­chen Syn­these …

lesen...
Sonntag, Dezember 30, 2018

Über das Menschsein

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli* - Grosse Lit­er­atur wird erst mit den Jahren als solche erkan­nt. «Ich heisse Kathy H.» So begin­nt der erschüt­ternde Roman «Alles, was wir geben mussten» des let­zten Lit­er­atur-Nobel­preisträgers Kazuo Ishig­uro.

Wie kaum ein ander­er ver­mag der 1954 in Nagasa­ki geborene Brite den Men­schen als Men­schen und dessen In-die-Welt-gewor­fen-Sein in grosse Poe­sie …

lesen...
Montag, November 26, 2018

Hannah Arendt: Die Kunst des Denkens

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Als ich im Jahre 2007 Medi­en, Codes und Pop­ulis­mus mit der grossen Denkerin Han­nah Arendt erk­lärte («Die Macht des richti­gen Friseurs»), stiess ich auf akademis­ches Unver­ständ­nis und medi­ales Mis­strauen. Elf Jahre später ist alles anders. Han­nah Arendt ist der Philoso­phi­es­tar der Zeit, ihre eingängi­gen Zitate wie «Nur die Gewalt ist …

lesen...
Montag, Oktober 15, 2018

#FBM18 — Junger Mann

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Wolf Haas ist bekan­nt für seine Bren­ner-Romane: Krim­is für Leute, die son­st keine Krim­is lesen. Der begabte, sprachge­wandte, wort­spie­lende, sehr sym­pa­this­che Schrift­steller aus Öster­re­ich hat ein neues Buch geschrieben: Junger Mann. Das Buch ist in jed­er Hin­sicht zauber­haft: Sprache, Geschichte, Imag­i­na­tion, alles, wirk­lich alles stimmt daran. Der dicke 13jährige Junge …

lesen...
Samstag, Oktober 13, 2018

#FBM18 — Kalte «Sach-Romane»: «Ida» und «Nichts, was uns passiert»

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Das im Rowohlt Ver­lag erschienene Werk von Katha­ri­na Adler «Ida» wurde im deutschen Feuil­leton hym­nisch besprochen und lan­dete sog­ar auf der Short­list für den ZDF-«Aspekte»-Literaturpreis. Mit diesem Preis wurde vor vie­len Jahren auch die Lit­er­aturnobel­preisträgerin Her­ta Müller aus­geze­ich­net. Gewon­nen hat dieses Jahr jedoch das «MeToo»-Werk von Bet­ti­na Wilpert aus dem …

lesen...
Freitag, Oktober 12, 2018

#FBM18 — Die Sehende, Sprechende und Dichtende: Chimamanda Ngozi Adichie

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Bei der offiziellen Eröff­nung der Frank­furter Buchmesse (9.10.2018) erzählt die grosse, charis­ma­tis­che, intel­li­gente und beein­druck­ende Chi­ma­man­da Ngozi Adichie, dass ihr eine Fre­undin, die in Frank­furt lebe, unbe­d­ingt ger­at­en habe, die Speech mit „I like Frank­furt“ zu begin­nen. Denn die Men­schen in Frank­furt seien darauf angewiesen, dass man sie möge und …

lesen...
Montag, Oktober 8, 2018

Das rechte Blut, Francesca Melandri

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Kranken­häuser wer­den geschlossen, Behin­derte kriegen keine Rente, die Strassen sind ein Krater­feld, ohne Bestechung gibt es keinen Stu­di­en­platz, man wartet in der Notauf­nahme Monate, ja selb­st ein gutes Stück Fleisch muss man sich beim Met­zger zuerst durch Net­tigkeit­en ver­di­enen: willkom­men in Ital­ien! Zehn­tausende von Euros wer­den für das Denkmal eines …

lesen...
Montag, September 10, 2018

Ein Fass mit Himmelsblick: Tadashi Kawamata

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Am 6. Sep­tem­ber 2018 fand die Vernissage zum sehr gut gemacht­en Buch über «Bar­rel. Tadashi Kawa­ma­ta» im Kun­st­griff, Löwen­bräu Zürich statt. Das Buch – es gibt auch einen 9minütigen sehr sehenswerten Film über die Entste­hung des Kunst­werkes im «Kun­st­griff» – doku­men­tiert die Entste­hung von «Bar­rel» in einem Pri­vathaus in Kilch­berg. …

lesen...
Montag, August 27, 2018

Die Zeit der Medienkaiser: «Schirrmacher. Ein Porträt»

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli — Schweiz­er Medi­en­schaf­fende sind selb­stre­f­eren­ziell. Wer ausser­halb der Eidgenossen­schaft Kar­riere macht, wird mit ähn­lich­er Skep­sis betra­chtet wie James Joyce von den Iren sein­erzeit. Der grösste Schrift­steller des 20. Jahrhun­derts wurde in der Schweiz beerdigt — das irische Aus-sen­min­is­teri­um ver­bat sein­er Repräsen­ta­tion aus­drück­lich, an der Toten­feier in irgendwelch­er Form teilzunehmen. Vorher hat­te …

lesen...
Dienstag, Juli 3, 2018

Eine Utopie für die digitale Gesellschaft

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Die Zukun­ft entschei­det sich daran, wie über sie gere­det wird. Seit eini­gen Jahren übertr­e­f­fen sich promi­nente Män­ner darin, Angst- und Hor­rorszenar­ien an die Wand zu malen. Das Böse verkauft sich ein­deutig bess­er als das Gute. Das Böse ver­steckt sich auch gerne im Guten, und so brauchen wir nicht lange, um …

lesen...
Mittwoch, Mai 30, 2018

Wahlen im Zeitalter der Unterwerfung

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Wahrheit, Wirk­lichkeit, Authen­tiz­ität: Dies ver­sprach der New­com­er Mar­tin Schulz den Mit­gliedern der deutschen SPD. Aus dem Europäis­chen Par­la­ment kom­mend, ist Mar­tin Schulz rein äusser­lich ein älter­er, klein gewach­sen­er Herr mit Bart und Brille, inner­lich aber vib­ri­erend, äusserst humor­voll, intel­li­gent, bele­sen und: ver­dammt ehrgeizig. Er bescherte der SPD jedoch zur Wende

lesen...
Montag, April 30, 2018

Bienen

Von Dr. Reg­u­la Staempfli

«Wie verwachsene Vögel balancierten wir auf unseren Ästen, das Plastikgefäss in der einen Hand, den Federpinsel in der anderen. (…) Das kleine Plastikgefäss war gefüllt mit dem luftigen, leichten Gold der Pollen, das zu Beginn des Tages exakt abgewogen und an uns verteilt wurde, jede Arbeiterin erhielt genau die gleiche Menge.
lesen...
Dienstag, März 20, 2018

Dazwischenzeiten

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - 1930 war ein beson­deres Jahr. Die Avant­garde der ver­gan­genen Jahre war defin­i­tiv vor­bei. Die Mod­erne befand sich auf den selt­samen Pfaden der Erschöp­fung. Die Wirk­lichkeit ein­er erfahrbaren Welt wühlte in nihilis­tis­chen, gewalt­täti­gen, her­ren­süchti­gen, finanztüchti­gen und damit feindlichen Visio­nen, die sich gegen alles Leben kehren soll­ten.

«Tag für Tag bewälti­gen wir …

lesen...