Wir laden zur Zeit das Archiv hoch. Deswegen hat es viele "alte" Artikel auf der Webseite.
Wir bitten um Geduld, wir haben viel geschrieben in den Jahren seit 2003 ...

Pogrome des Intellekts

«Er vergass nicht einen Augenblick, dass er die «ganze Verantwortung» für «das Blatt» trug und dass er unaufhörlich Gefahr lief, eine falsche Nachricht für eine richtige zu halten, eine richtige für falsch, eine wichtige für belanglos, eine Kleinigkeit für wichtig.»

Joseph Roth Panoptikum

 

Von Dr. Regula Staempfli - Dass die Zeit zusam­men­bricht, erken­ne ich …

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Souvenirs: Marie Rameau

Von Regula Staempfli - In die­sen Tagen – trä­ge, son­nig und sehr schwül – ver­stand ich mit ein­mal, was für mich Heimat bedeu­tet. Keine Wolken am Himmel, die über München oft nach Schweinegrill rie­chen, lässig‐​elegant geklei­de­te Männer, die so ver­wir­rend viel schö­ner aus­se­hen, als Menschen, die in schwarz‐​monetären Nullgesellschaften auf­ge­wach­sen sind, jemals aus­se­hen kön­nen. Es …

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Lüschers Roman «Kraft»: Ohne Vorstellung, dafür mit viel Willen

Von Dr. Regula Staempfli - Lüschers «Kraft» macht wütend. «Posing» nennt man im Englischen die Attitüde, sich wort­ge­wandt über ande­re zu erhe­ben. Ohne «posing» kommt man in aka­de­mi­schen Zirkeln nicht weit – nicht zuletzt des­halb sind wirk­li­che Intellektuelle in den Post‐​Bologna‐​Wissensindustrien – frü­her Universitäten genannt – nur mit der Lupe zu fin­den. «Habitus» ist der …

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Zeitgenosse, Anatom und Literat: Arthur Schnitzler

Von Dr. Regula Staempfli - Pornografen, unzäh­li­ge Filmemacher, Literaturkenner, Psychoanalytiker und Möchte‐​Gern‐​Connaisseure sind über den schö­nen Mann, fein­sin­ni­gen Literaten, kom­plex­cha­rak­tri­gen*  Arthur Schnitzler her­ge­fal­len. Der Name Schnitzler eröff­net offen­sicht­lich immer den­sel­ben Reigen: Jeder 60jährige Alt‐​68er lang­weilt den Tisch mit fürch­ter­lich mick­ri­gen ero­ti­schen Passagen, gewürzt mit klas­si­scher mar­xis­ti­scher Kritik am viel zu “bür­ger­li­chen” Schnitzler.

Deshalb liess ich …

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Der grosse Liebesroman 2017

Von Dr. Regula Staempfli - In mei­ner Jugend spiel­te Liebe kei­ne Rolle. Macht, Religion, Politik und Philosophie ja, doch Liebe? Nein. Selbstverständlich hat­te ich Freunde und durch­aus auch kör­per­li­che Freuden, doch das, was hin­ter der lackier­ten, spie­geln­den, gewölb­ten Oberfläche, jener Scheissromantik, die der Kommerz “Liebe” nennt, lau­ert, war­tet, auf Erfüllung hofft und das Leben ver­än­dert, …

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«Señora Gerta»: Die Seele einer Autorin, ihrer Hauptfigur und der Ton der Zeit

Von Dr. Regula Stämpfli - Die zau­ber­haf­te Journalistin und Sachbuchautorin Anne Siegel, hat die unglaub­li­che Lebensgeschichte von Gerta Stern auf­ge­schrie­ben. Was heisst da auf­ge­schrie­ben? Sie hat, zusam­men mit ihrer ent­zü­cken­den Protagonistin, Poesie und Fakten leben­dig gemacht. Anne Siegel gelingt etwas, das ich sehr bewun­de­re: Sie baut in die Lebensgeschichten von unge­wöhn­li­chen Menschen die Fakten so …

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Freiheit oder Kindheit? Deborah Feldman und Jeanette Winterson

Von Dr. Regula Staempfli - Es gibt zwei Bücher, die den Weg aus den selbst‐ und fremd­ge­wähl­ten Gefängnissen wei­sen: Deborah Feldmans „unor­tho­dox“ und Jeannette Wintersons „Warum glück­lich statt ein­fach nur nor­mal?“ Beide Schriftstellerinnen erzäh­len vom Wert der Aufklärung, Emanzipation, Befreiung und über das Mensch‐​Sein. Sie sind um eini­ges wich­ti­ger als all die hete­ro­nor­ma­ti­ven Männerromane, die …

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Neue schöne Arbeitswelt: Apple

Von Dr. Regula StaempfliFür Daniela Kickl ging ein Traum in Erfüllung: Sie durf­te in Hollyhill, Cork, das sie sehr schnell «Holy Hell» zu nen­nen begann, bei der unfass­bar coo­len, schi­cken Silicon‐​Valley‐​Firma Apple anheu­ern. Sie schlepp­te Kinder und Kegel nach Wien, rich­te­te sich in Irland, dem dunk­len Herz des Katholizismus («Angela’s Ashes», Magdalenenheime etc.) …

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Das Paradies auf Zeit: Die EU und Europa

Von Dr. Regula Stämpfli - Götz Aly hat erneut ein bemer­kens­wer­tes Buch geschrie­ben: „Europa gegen die Juden von 1880 – 1945.“ Wer jetzt mit den Schultern zuckt und seufz: „Nicht schon wie­der“, soll­te eigent­lich geohr­feigt wer­den. Denn beson­ders unter den auf­ge­klär­ten, jun­gen und wil­den Linken dro­hen die poli­ti­schen Erkenntnisse zu Völkermord, Rassismus und Vernichtung in …

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Geschichten aus der Kälte

Von Dr. Regula Stämpfli - Philipp Blom gehört zu den her­aus­ra­gends­ten deutsch­spra­chi­gen Historikern der Gegenwart. Sein «Der tau­meln­de Kontinent. Europa 1900 – 1914» erzählt von ver­zwei­fel­ten Suffragetten‐​Kampagnen, dem selt­sa­men Leuchten namens Radium und beschreibt die «krank­haf­te Hellsichtigkeit» eines Neuropathen. «Die zer­ris­se­nen Jahre. 1918 – 1938» machen leben­dig, wie leicht Demokratie sich über­all in Diktatur ver­wan­delt …

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Die Behelfsbetten der Kammerdiener

Von Dr. Regula Stämpfli -  Der Kulturanthropologe David Graeber hat vor zwei Jahren ein gros­ses Buch über Bullshitjobs, Beraterhöflinge und den zeit­ge­nös­si­schen Neofeudalismus geschrie­ben. Er erzählt von der unglaub­li­chen struk­tu­rel­len Dummheit moder­ner Geschäftsführung. Er erklärt den Staatskapitalismus, der „Marktfreiheit“ blökt, aber Menschen ein­sperrt. Deprimierend sein Schluss: Leistung zählt nicht, Effizienz zählt nicht und wer …

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Paris: Ein Flatrate‐​Leben zwischen Geiz und Laster

Von Dr. Regula Stämpfli - Zehn Zeilen. Zehn Zeilen und mehr nicht. Zehn Zeilen, die uns mit­ten nach Paris trans­por­tie­ren. Zehn Zeilen, die uns in 48 Stunden aus unse­rem beschau­li­chen Schweizer Leben direkt in die Grossstadt trans­por­tie­ren. Zehn Zeilen, die das ver­track­te Verhältnis zwi­schen Wahrheit und Macht expli­zie­ren. Zehn Zeilen von Gila Lustiger und Sie …

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«Hier bin ich» – oder dann doch nicht? Zum neuen Buch von Jonathan Safran Foer

Von Dr. Regula Stämpfli - Es gab nur Kalorien. Das Ricotta‐​Brioche, der Linsensalat und der köst­li­che Brüsselersalat muss­ten für ein­mal war­ten. Immerhin: Es gab Kalorien und den fol­gen­den Dialog: «Zwei Stück Roggenbrot mit sam­ti­ger Erdnussbutter, dia­go­nal geschnit­ten, mit Liebe ser­viert.» Jacob reich­te Benjy den Teller.

«Hey, das ist meins!» fing Max den Teller ab.
«Ok.

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Seidenstrasse: Eine neue Geschichte der Welt

Von Dr. Regula Stämpfli - Wir sind eine Familie mit unter­schied­li­chen Zungen. Die Kids waren in einer fran­zö­sisch­spra­chi­gen Krippe, Papa kehl­te auf schot­tisch und Mama äuä­te auf bärn­düütsch (d´Lorreeenä bin i). Sehr bald stell­ten wir fest, dass sich gewis­se Vorgänge in der einen oder ande­ren Sprache bes­ser aus­drü­cken lies­sen. Liebeswörter gin­gen auf bärn­düütsch eben­so gut …

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