Wir laden zur Zeit das Archiv hoch. Deswegen hat es viele "alte" Artikel auf der Webseite.
Wir bitten um Geduld, wir haben viel geschrieben in den Jahren seit 2003 ...

Der Preis des Geldes? Das Leben.

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - «Das ist doch nichts Neues», krähen die neolib­eralen Kri­tik­erin­nen und Kri­tik­er gerne, wenn sie mit unan­genehmen Ein­sicht­en kon­fron­tiert wer­den. Dabei ist dies ein klas­sis­ches Ware­nar­gu­ment, her­vorge­bracht aus einem «Leben als Kon­sum» (Zyg­munt Bau­man). Alle men­schlichen Zusam­men­hänge sollen nur noch bezüglich «neu, attrak­tiv oder sexy» kat­e­gorisiert wer­den.

Deshalb bespreche ich im …

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Die Macht der Geografie

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli — Ich erin­nere mich noch heute sehr gut daran, wie sehr ich den Geografie­un­ter­richt im Gym­na­si­um geliebt habe. Wie ich mich an meinem Pult wegträumte in weit ent­fer­nte Regio­nen der Erde, wie ich mit Sir Edmund Hillary und seinem Sher­pa Ten­z­ing Nor­gay den höch­sten Berg der Erde bestieg, wie ich auf …

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Rot ist das Blut

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Es waren die Frauen, die dem Rus­sis­chen Zaren­re­ich das Genick rachen. Sie demon­stri­erten am 23. Feb­ru­ar 1917 gegen die Kriegslas­ten, Krisen und unhalt­baren sozialen Zustände. Was als klas­sis­che «Bro­tun­ruhen» begann, endete in ein­er Wel­trev­o­lu­tion.

In unser­er schnell ver­glühen­den Zeit ist die Bedeu­tung der Rus­sis­chen Rev­o­lu­tion für das gesamte 20. Jahrhun­dert …

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Mehr als fremdgehen

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Als ich ensuite vorschlug, Michèle Bin­swangers neues Buch «Fremdge­hen» zu besprechen, lag sofort die Aura von «Fremd­schä­men» in der Luft. Ich kon­nte förm­lich spüren, wie alle Anwe­senden dacht­en: «Ha, wussten wir es doch – la Staempfli ist die typ­is­che Fremdgän­gerin!» Bin ich tat­säch­lich, wenn wir vom «Typ» aus­ge­hen. Bes­timmte Milieus …

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Blaupause: Kein historischer Roman

Von Reg­u­la Staempfli - Pünk­tlich zum 100jährigen Bauhaus-Jubiläum präsen­tiert There­sia Enzens­berg­er einen Roman, der in Weimar und Dachau spielt und von der Emanzi­pa­tion ein­er tal­en­tierten Frau han­delt. Die his­torisch ver­bürgte Brut­stätte der Mod­erne in der Weimar­er Repub­lik der 1920er Jahre muss in diesem Roman hin­hal­ten für die Selb­st­suche ein­er jun­gen Autorin, die zwar einiges weiss, …

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Frei, adelig & erotisch: Anne Lister

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Am FAZ-Stand kam ich ins Plaud­ern mit einem äusserst gutausse­hen­den älteren Her­rn, der sich als wahrer König ent­pup­pte. So hiess der emer­i­tierte Pro­fes­sor auch, der nach mein­er Namen­snen­nung, die ich ihm eine Stunde lang voren­thielt, meinte: “Mit dem Namen wer­den Sie als grosse Denkerin nie Kar­riere machen.” Wie recht er …

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Macron II: Die Heilsfigur

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Seit der Eröff­nung der Frank­furter Buchmesse durch Emmanuel Macron und Angela Merkel kriegt sich der deutsche Feuil­leton in Lobeshym­nen über den franzö­sis­chen Staat­spräsi­den­ten nicht wieder ein. Die Verehrung, die Vergöt­terung der deutschen Pres­se­leute ver­spricht nichts Gutes. Dieser Geist zeugt von einem Poli­tikver­ständ­nis, das nach wie vor auf Führerfig­uren gepolt ist, …

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Macron I: Neoliberales Abziehbildchen

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - “Ohne Kul­tur kein Europa” – immer diese Werbeslo­gans des Mar­ket­ing-Maskottchens Macron. “Ohne Krieg auch kein Europa” riefen ihm die Stim­men in meinem Kopf zu. Zumal Macron die Kul­tur über Demokratie, soziale Gerechtigkeit und die Mark­twirtschaft – ja! sog­ar die Mark­twirtschaft! — geset­zt hat­te. Let­zteres kauft ihm nie­mand ab. Nie­mand? Par­don. …

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Bruxelles – “Die Hauptstadt”

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Volk­er Wei­der­mann eröffnet die Frank­furter Buchmesse und begin­nt mit Robert Menasse, dem öster­re­ichis­chen Sprachkün­stler, Essay­ist, Ein­mis­ch­er, poli­tisch denk­enden Men­sch mit Hang zum Schw­er­mut, den er mit Tragigkkomik einiger­massen in Schach hält. “Die Haupt­stadt” gewin­nt den Deutschen Buch­preis 2017.  “Ihn hat es gerührt, uns hat es geschüt­telt” schreibt die FAZ dazu.…

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Pogrome des Intellekts

«Er vergass nicht einen Augenblick, dass er die «ganze Verantwortung» für «das Blatt» trug und dass er unaufhörlich Gefahr lief, eine falsche Nachricht für eine richtige zu halten, eine richtige für falsch, eine wichtige für belanglos, eine Kleinigkeit für wichtig.»

Joseph Roth Panop­tikum

 

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Dass die Zeit zusam­men­bricht, erkenne ich …

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Souvenirs: Marie Rameau

Von Reg­u­la Staempfli - In diesen Tagen – träge, son­nig und sehr schwül – ver­stand ich mit ein­mal, was für mich Heimat bedeutet. Keine Wolken am Him­mel, die über München oft nach Schweine­grill riechen, läs­sig-ele­gant gek­lei­dete Män­ner, die so ver­wirrend viel schön­er ausse­hen, als Men­schen, die in schwarz-mon­etären Nullge­sellschaften aufgewach­sen sind, jemals ausse­hen kön­nen. Es …

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Lüschers Roman «Kraft»: Ohne Vorstellung, dafür mit viel Willen

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Lüsch­ers «Kraft» macht wütend. «Pos­ing» nen­nt man im Englis­chen die Attitüde, sich wort­ge­wandt über andere zu erheben. Ohne «pos­ing» kommt man in akademis­chen Zirkeln nicht weit – nicht zulet­zt deshalb sind wirk­liche Intellek­tuelle in den Post-Bologna-Wis­sensin­dus­trien – früher Uni­ver­sitäten genan­nt – nur mit der Lupe zu find­en. «Habi­tus» ist der …

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Zeitgenosse, Anatom und Literat: Arthur Schnitzler

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Pornografen, unzäh­lige Filmemach­er, Lit­er­aturken­ner, Psy­cho­an­a­lytik­er und Möchte-Gern-Con­nais­seure sind über den schö­nen Mann, feinsin­ni­gen Lit­er­at­en, kom­plex­charak­tri­gen*  Arthur Schnit­zler herge­fall­en. Der Name Schnit­zler eröffnet offen­sichtlich immer densel­ben Reigen: Jed­er 60jährige Alt-68er lang­weilt den Tisch mit fürchter­lich mick­ri­gen ero­tis­chen Pas­sagen, gewürzt mit klas­sis­ch­er marx­is­tis­ch­er Kri­tik am viel zu “bürg­er­lichen” Schnit­zler.

Deshalb liess ich …

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Der grosse Liebesroman 2017

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - In mein­er Jugend spielte Liebe keine Rolle. Macht, Reli­gion, Poli­tik und Philoso­phie ja, doch Liebe? Nein. Selb­stver­ständlich hat­te ich Fre­unde und dur­chaus auch kör­per­liche Freuden, doch das, was hin­ter der lack­ierten, spiegel­nden, gewölbten Ober­fläche, jen­er Scheis­s­ro­man­tik, die der Kom­merz “Liebe” nen­nt, lauert, wartet, auf Erfül­lung hofft und das Leben verän­dert, …

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«Señora Gerta»: Die Seele einer Autorin, ihrer Hauptfigur und der Ton der Zeit

Von Dr. Reg­u­la Stämpfli - Die zauber­hafte Jour­nal­istin und Sach­buchau­torin Anne Siegel, hat die unglaubliche Lebens­geschichte von Ger­ta Stern aufgeschrieben. Was heisst da aufgeschrieben? Sie hat, zusam­men mit ihrer entzück­enden Pro­tag­o­nistin, Poe­sie und Fak­ten lebendig gemacht. Anne Siegel gelingt etwas, das ich sehr bewun­dere: Sie baut in die Lebens­geschicht­en von ungewöhn­lichen Men­schen die Fak­ten so …

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Freiheit oder Kindheit? Deborah Feldman und Jeanette Winterson

Von Dr. Reg­u­la Staempfli - Es gibt zwei Büch­er, die den Weg aus den selb­st- und fremdgewählten Gefäng­nis­sen weisen: Deb­o­rah Feld­mans „unortho­dox“ und Jean­nette Win­ter­sons „Warum glück­lich statt ein­fach nur nor­mal?“ Bei­de Schrift­stel­lerin­nen erzählen vom Wert der Aufk­lärung, Emanzi­pa­tion, Befreiung und über das Men­sch-Sein. Sie sind um einiges wichtiger als all die het­ero­nor­ma­tiv­en Män­nerro­mane, die …

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