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EDITORIAL Nr. 69 Zürich

Von Lukas Vogel­sang - Nun will das Komi­tee prokon­gresshaus Zürich statt für Busi­ness und Kon­gresse als Kul­turmetro­pole definieren und das Kon­gresszen­trum zum Kul­turtem­pel umbauen. Die Idee ist nicht schlecht und es ist ein nahe­liegen­des Pro­jekt; in mein­er Wahrnehmung war das Kon­gresshaus immer mehr Kul­tur als Busi­ness und oft ein Grund, aus der Haupt­stadt nach Zürich zu fahren. Doch ein solch­es Kul­tur-Beken­nt­nis würde Fol­gen haben. Zum Beispiel wäre es für das nahe liegende Luzern­er KKL eine grosse Konkur­renz. Es ist frag­würdig, ob die Aus­las­tung für bei­de Häuser in Zukun­ft funk­tion­ieren kön­nte, ist doch ein Kul­turbe­trieb in dieser Klasse ein heik­les Gefährt. Natür­lich: Man find­et heute für alles einen Spon­sor. In Bern haben wir jet­zt eine Post­fi­nance-Are­na statt ein­er Eiskun­sthalle — obwohl es eigentlich das­selbe wäre. Warum also nicht eine Swiss­com-Mobile-Cul­ture­hall oder eine Orange-Stage? Nicht zu vergessen, dass sich solch­es Kul­tur­spon­sor­ing immer auf andere Spon­sor­ing­pro­jek­te auswirken wird — und davon sind doch einige Insti­tu­tio­nen in Zürich angewiesen.

Eben­falls frag­würdig ist in diesem Zusam­men­hang, ob man nicht wichtiger den Schiff­bau in den Griff kriegen möchte, statt einen weit­eren Koloss zu bauen, der irgend­wann zum Sub­ven­tions­fos­sil zer­fall­en wird. Zürich hat schon so viele Grosskul­tur-Insti­tu­tio­nen was will man da kul­turell noch Neues bieten? Oder möchte man sog­ar das Opern­haus her­aus­fordern? Und da wären wir auch bei der zen­tral­sten Frage: Was für Kul­tur soll darin stat­tfind­en?

Zuviel Kul­tur kann es natür­lich nicht geben. Aber zuviel Enter­tain­men­tkul­tur. Und dieses Enter­tain­ment ist kom­merziell-denk­end und würde ein Kul­tur-Kon­gresshaus schlussendlich doch wieder zum Busi­ness-Tem­pel für die Wirtschaft umfunk­tion­ieren. Mit dem aus­ge­baut­en Gas­tro-Betrieb kämen sehr rasch die Fir­men-Events, denn diese wer­fen viel Geld in die kul­turge­beutel­ten Häuser. Dann wären wir dann wieder am Anfang. Der Deck­man­tel «Kul­tur» für das neue Pro­jekt ist mit Vor­sicht zu geniessen.

ensuite, Sep­tem­ber 2008

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Artikel online veröffentlicht: 9. Oktober 2017