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EDITORIAL Nr. 78

Von Lukas Vogelsang - Mit dem über­wäl­ti­gen­den JA! für den Künstler‐​PROGR hat Bern kul­tur­po­li­tisch ein Zeichen gesetzt: Dieses JA! hat eine kul­tu­rel­le Bewegung for­miert und gleich­zei­tig die­se Bewegung der Stadtpolitik ent­zo­gen: Der PROGR ist «pri­va­ti­siert», sozu­sa­gen. Die öffent­li­chen Kulturkonzepte haben auf den PROGR kei­nen Einfluss mehr, wie auch die gesam­ten zukünf­ti­gen poli­ti­schen Interventionen.

Das ent­hält natür­lich eine gewis­se Brisanz. Ich habe nicht Angst, dass der PROGR mit der Finanzierung Probleme haben wird. Was einem sel­ber gehört, das erhält mehr Herzblut, und es macht jetzt für Aussenstehende Sinn, in den PROGR zu inves­tie­ren. Die Gefahr lau­ert sodann auf einer ande­ren Seite: Aus dem Provisorium frei­ge­las­sen, kann der PROGR jetzt los­le­gen und sei­ne Magnetkraft ver­stär­ken. Das wer­den die ande­ren Kulturveranstalter zu spü­ren bekom­men – just jene, die sub­ven­tio­niert sind. Und so wird die Dynamik des PROGR wie ein Schatten über die­sen lie­gen…

Einen lan­gen Schatten wirft aber auch die Diskussion um das Berner Ballett. Weiss der Himmel, was für eine Schnapsidee es ist, ein Ballett zu opfern, nur um ein biss­chen Geld spa­ren zu wol­len – obwohl alle wis­sen, dass es ein Trugschuss ist. Anstatt gewa­schen, wer­den stin­ken­de Socken ein­fach weg­ge­wor­fen. Die Stadttheater‐​Führungskräfte, und dabei mei­ne ich die AdministratorInnen, füh­ren sich auf wie die Kapitäne eines sin­ken­den Schiffes: Sie sprin­gen erst ganz am Schluss. Diese Politik zeigt vor allem auf, wie phan­ta­sie­los, wirt­schafts­fremd und unin­ter­es­siert die Leitung vom Stadttheater Bern an ihrem Theater ist. Dabei zeigt gera­de eine PROGR‐​Abstimmung den wah­ren BernerInnen‐​Willen.

Mit viel Willen bau­en wir zur Zeit das ensui­te – kul­tur­ma­ga­zin neu auf. Mit der Nummer 80 (August) wol­len wir ein Zeichen gegen den media­len Zerfall der Kulturmedien set­zen. Die «Berner Zeitung» macht auf Promi‐​Bildli, «Der Bund» wird zum Snob‐​Tagi, der Tagi‐​Züritipp ist zu kom­mer­zi­ell und die «NZZ» hat auf­ge­ge­ben. Zeit, dass die Medien Kultur wie­der erns­ter neh­men.

ensui­te, Juni/​Juli 2009

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Artikel online veröffentlicht: 18. August 2018